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Nachhaltig Dächer decken

Ein Dachdecker steht auf einem Dach.
Handwerk trifft auf Betriebswirtschaft: Das triale Studium Handwerksmanagement bildet Handwerker mit Führungsqualitäten aus.
Foto: Heidrun Hönninger

Triales Studium

Nachhaltig Dächer decken

Für Tim Leuwer war sein triales Studium Handwerksmanagement eine Investition in die Zukunft: Nach seinem Abschluss gründete der 29-Jährige gemeinsam mit seinem ehemaligen Kommilitonen Tobias Setz ein eigenes Dachdeckerunternehmen.

Dass an dem Sprichwort „Wer selbstständig ist, arbeitet selbst und ständig“ etwas Wahres dran ist, wissen Tim Leuwer und Tobias Setz aus eigener Erfahrung. In ihrem Betrieb im nordrheinwestfälischen Hennef an der Sieg haben die jungen Dachdeckermeister alle Hände voll zu tun: „Der Arbeitstag beginnt für uns morgens um sieben Uhr. Wir sprechen uns zunächst kurz mit unserem Azubi ab und fahren anschließend zur Baustelle. Dort arbeiten wir bis circa siebzehn Uhr, danach trinken wir zuhause einen Kaffee und schließlich geht es weiter ins Büro, wo wir Anfragen beantworten und Angebote erstellen“, erzählt Tim Leuwer.

Solide Basis für die Selbstständigkeit

Ein Porträt-Foto von Tim Leuwer und Tobias Setz

Tim Leuwer und Tobias Setz

Foto: privat

In ihrem Arbeitsalltag profitieren Tim Leuwer und Tobias Setz von dem Wissen, das sie im trialen Studiengang Handwerksmanagement an der privaten, aber staatlich anerkannten Fachhochschule des Mittelstands (FHM) erworben haben. Das kostenpflichtige Programm umfasst die handwerkliche Ausbildung, den Meister sowie ein betriebswirtschaftliches Studium. Vergleichbare Studiengänge werden derzeit an der Hochschule Niederrhein und an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg angeboten. „Ohne die praktische Ausbildung könnten wir unser Handwerk nicht ausüben. Insbesondere die Bauphysik nimmt in unserem Gewerk einen großen Platz ein, wenn wir entscheiden müssen, wie und wann wir dämmen. Und im Studium haben wir uns zum Beispiel damit beschäftigt, welche Nische wir mit unserem Betrieb besetzen wollen, wie wir unseren Stundenlohn berechnen und wie wir eine Kostenrechnung aufstellen“, erzählt Tim Leuwer. All das habe ihm sehr geholfen, selbstsicher in den Beruf zu starten. „Es gibt aber auch Aufgaben, auf die uns das Studium nicht vorbereitet hat. So haben wir zum Beispiel nicht gelernt, wie man ein Angebot erstellt. Aber wir hatten die nötigen Grundlagen, um uns dieses Wissen selbst anzueignen.“

Tim Leuwer hatte seine Ausbildung zum Dachdecker schon begonnen, als er von einem Klassenkameraden von der Möglichkeit erfuhr, die Lehre mit dem Meister und einem Studium zu verbinden. Er konnte die Ausbildung dann auf zwei Jahre verkürzen, nebenbei schon einen Teil des Meisters und anschließend das Studium absolvieren, sodass er nach viereinhalb Jahren drei Titel erworben hatte. „Wir hatten jeden zweiten Freitagabend und Samstag Unterricht und nahmen dienstagabends nach der Arbeit an Online-Vorlesungen teil. Außerdem mussten wir uns natürlich auch auf die Klausuren vorbereiten. Das war alles machbar, wenn man Vorlesungen zeitnah aufarbeitete und frühzeitig mit dem Lernen anfing. Viel Freizeit blieb aber nicht und ich konnte auch nur selten am Wochenende im Ausbildungsbetrieb aushelfen“, betont Tim Leuwer.

Eigene Entscheidungen fällen und umsetzen

Heute ist der junge Betriebsinhaber überzeugt davon, dass sich die Mühen gelohnt haben – auch weil ihm das Studium des trialen Handwerksmanagements einen Blick über den Tellerrand erlaubt hat. Gemeinsam mit seinem Kollegen Tobias Setz hat Tim Leuwer sich entschieden, im eigenen Betrieb neue Wege zu gehen und einen klaren Fokus auf Nachhaltigkeit zu legen: „Als Lehrlinge mussten wir alles so machen, wie unsere Chefs das wollten. Doch wir wollten immer gerne unsere eigenen Ideen verwirklichen und selbst Verantwortung für einen Betrieb, eine Baustelle und für Angestellte tragen“, erzählt der 29-Jährige.

Auch wenn sie nach wie vor viel Arbeit investieren müssen – mit dem eigenen Betrieb haben die jungen Männer nun die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen und ihre Ideen umzusetzen: „Wir machen vieles anders, als wir es gelernt haben. Wir haben uns zum Beispiel bewusst dafür entschieden, viele Sanierungsarbeiten durchzuführen, mit recyclebaren Produkten zu arbeiten und auf den Baustellen möglichst wenig Müll zu produzieren“, erläutert Tim Leuwer, dem Nachhaltigkeit ein wichtiges Anliegen ist.

abi>> 28.12.2018