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Medizin in den Tiroler Alpen

Eine Ärztin und ein Arzt behandeln eine Patientin.
Ohne Bestnoten ist es in Deutschland schwer, einen Studienplatz für Humanmedizin zu ergattern. Im Ausland ist der Zugang oft einfacher. In Österreich entscheidet etwa ein Aufnahmetest.
Foto: Fischer

Medizinstudium in Österreich

Medizin in den Tiroler Alpen

Wer in Deutschland Medizin studieren und dafür einen der begehrten, bundesweit zulassungsbeschränkten Studienplätze ergattern möchte, hat die besten Chancen mit einem 1,0- Abitur. Eine Alternative ist das Medizinstudium im Ausland. Lorenz Ponnath etwa hat sich für Österreich entschieden, wo Aufnahmetests über die Studienplatzvergabe entscheiden.

Nach dem Abitur hat Lorenz Ponnath zunächst ein Biologiestudium in Regensburg absolviert und mit dem Bachelorabschluss beendet. Allerdings konnte er sich die Arbeit im Labor und am Schreibtisch, wie er sie dort kennengelernt hatte, nicht für sein gesamtes Berufsleben vorstellen. „An der Medizin gefällt mir besonders, dass man mit Menschen zu tun hat und ihnen helfen kann“, erzählt der 24-Jährige.

Um ein Medizinstudium in Deutschland zu beginnen, reichte allerdings sein Abi-Notendurchschnitt nicht aus: „Zusätzlich ist es besonders schwer, einen Studienplatz für ein Zweitstudium der Medizin zu bekommen. Da werden in jedem Jahr nur ganz wenige vergeben.“

Aufnahmetest und Kontingente

Ein Porträt-Foto von Lorenz Ponnath

Lorenz Ponnath

Foto: privat

Bei der Suche nach einer Alternative fiel die Wahl des Bayern auf das Nachbarland Österreich. Hier entscheidet nicht die Note der Hochschulzugangsberechtigung über die Vergabe der Studienplätze, sondern ein Aufnahmetest. Humanmedizin ist in Österreich ein Diplomstudiengang, den man in Wien, Graz, Linz und Innsbruck absolvieren kann. Die Entscheidung, wo man studieren will, muss man vor dem Test treffen: „Der Aufnahmetest wird zwar zentral in Graz organisiert, gilt aber nur für eine Universität“, erläutert Lorenz Ponnath. „Ich habe mich für Innsbruck entschieden, weil ich die Stadt sehr mag.“

Zulassungsvoraussetzung für den Test, den MedAT-H, ist das Abitur oder ein vergleichbarer Abschluss. Die Note spielt dabei keine Rolle. Die Anmeldung erfolgt über die Internetseite der jeweiligen Hochschule. Nach Zahlung der Kostenbeteiligung ist man für das Aufnahmeverfahren zugelassen. „Das Studium beginnt immer zum Wintersemester“, erklärt der Medizinstudent. „Im Juni davor bin ich für den Test nach Innsbruck gefahren. Es wurden Wissensfragen aus den Naturwissenschaften und Mathematik gestellt und kognitive Fertigkeiten wie Merkfähigkeit überprüft.“

Die Studienplätze für Humanmedizin in Österreich sind für Studierende aus dem Ausland begehrt. Deshalb gibt es Kontingente, die die Platzvergabe regeln: Drei Viertel der Plätze sind Österreichern vorbehalten, ein Fünftel gehen an Bewerber aus der EU und die restlichen fünf Prozent an Abiturienten außerhalb der Europäischen Union. Wer es nicht schafft, einen der wenigen Plätze zu bekommen, kann den MedAT-H jedes Jahr wiederholen.

Praxisorientiert

Lorenz Ponnath hatte Erfolg und studiert mittlerweile im fünften Semester in Innsbruck. Das Medizinstudium in Österreich ist ähnlich aufgebaut wie in Deutschland: „Die ersten vier Semester gibt es das Vorklinikum, in dem naturwissenschaftliche Grundlagen auf dem Stundenplan stehen“, berichtet er. „Danach folgen sechs Semester klinische Fächer und praxisorientierter Unterricht sowie ein praktisches Jahr im Klinikum. Allerdings gibt es in Österreich keine großen Abschlussprüfungen wie das Physikum oder die Staatsexamina in Deutschland. Die Prüfungen werden alle am Ende des jeweiligen Semesters geschrieben.“ Wie die Inhalte vermittelt werden, unterscheidet sich von Uni zu Uni: „Wir in Innsbruck haben jedes Fach über ein ganzes Semester. In Graz beispielsweise lernen die Studierenden die Inhalte modulmäßig in Blöcken.“

Die Vorlesungen und die Praktika sind aber überall vorgegeben: „In Österreich hat man im Studium früher Patientenkontakt als in Deutschland. Wir machen schon im vierten Semester erste Untersuchungen und lernen nähen oder Blut abnehmen,“ erzählt der Medizinstudent.

Der Diplomabschluss ist EU-weit anerkannt und wird auch in Deutschland als gleichwertig zum deutschen medizinischen Hochschulabschuss beispielsweise bei der Approbation gewertet. Lorenz Ponnath weiß noch nicht, in welche Richtung ihn sein Berufsweg führen wird: „Mich interessiert die innere Medizin, ich finde aber auch Allgemeinmedizin spannend. Da ich mich in Innsbruck sehr wohlfühle, kann ich mir gut vorstellen, in Österreich zu bleiben.“

abi>> 28.01.2019