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„Wir sind ausgezeichnete Projektmanager“

Eine Studentin sitzt im Hörsaal.
Wem eine Individualpromotion zu einsam ist und wer eher eine feste Struktur und regen Austausch benötigt, dem könnte die Promotion in einem Graduiertenkolleg besser liegen als eine individuelle. Die Hürden für Bewerber sind allerdings hoch.
Foto: Tamme

Promotion in einem Graduiertenkolleg

„Wir sind ausgezeichnete Projektmanager“

Die Kommunikationswissenschaftlerin Bettina Distel (28) promoviert in einem Münsteraner Graduiertenkolleg. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit einem Thema aus der Wirtschaftsinformatik.

Während ihres Masterstudiums der Kommunikationswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster arbeitete Bettina Distel als studentische Hilfskraft am Graduiertenkolleg „Vertrauen und Kommunikation in einer digitalisierten Welt“ für zwei Doktoranden. Nach ihrem Abschluss stieß sie auf eine spannende Promotionsausschreibung dieses Kollegs. Es ging um die Frage, wie Verwaltungsdienstleistungen den Bürgern online angeboten werden können und wie sie von ihnen akzeptiert werden. Bettina Distel bewarb sich und bekam die Stelle.

Bewerbung mit Exposé

Porträtbild von Bettina Distel

Bettina Distel

Foto: privat

Die Bewerbung bestand aus einem Motivationsschreiben und einem Exposé, in dem sie darlegen musste, wie sie das Projekt angehen würde. Im Vorstellungsgespräch sollte sie ihr Vorhaben noch einmal skizzieren und Fragen beantworten. Eine besondere Hürde war, dass Bettina Distel für die Promotion in das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik wechseln musste. „Nicht nur mein Professor musste befürworten, dass ich mit meinem Abschluss in Kommunikationswissenschaften einen Doktor in Wirtschaftsinformatik machen darf. Auch der Promotionsausschuss und verschiedene andere Gremien mussten das genehmigen. Sie gaben mir die Auflage, Kurse im entsprechenden Bachelor- und Masterstudiengang zu belegen, was natürlich eine zusätzliche Belastung darstellte“, erzählt Bettina Distel.

Straffer Zeitplan

Die drei Jahre Promotionszeit hat Bettina Distel in drei Phasen eingeteilt: Zunächst ging es darum, sich in das Thema und den aktuellen Stand der Forschung einzulesen sowie eine Forschungsfrage zu formulieren. Dann entwarf sie ein Konzept für ihre empirischen Studien, die sie derzeit durchführt. Und schließlich müssen diese Daten noch ausgewertet werden.

Da Bettina Distel sich für eine kumulative Promotion entschieden hat, muss sie parallel immer wieder Teilresultate ihrer Arbeit veröffentlichen. „Der Vorteil ist, dass ich ständig gefordert bin, Ergebnisse vorzulegen. Auf Konferenzen kann ich mit Wissenschaftlern diskutieren. Dadurch empfehle ich mich für eine wissenschaftliche Karriere und werde auf Probleme aufmerksam gemacht, die ich im stillen Kämmerlein vielleicht nicht gesehen hätte“, erzählt die Doktorandin.

Methodisches Vorgehen

Das in der Stellenausschreibung formulierte Thema wandelte Bettina Distel ein wenig ab. Sie interessiere vor allem die Gründe, warum Bürger Online-Verwaltungsdienste nicht nutzen, sondern lieber ins Bürgerbüro gehen oder zum Telefon greifen. Sie entschied sich für eine Mischung aus qualitativen und quantitativen Methoden: „Zunächst habe ich achtzehn Personen in Interviews dazu befragt, wie sie elektronische Dienstleistungen in der öffentlichen Verwaltung sehen. Auf dieser Basis habe ich dann einen Fragebogen entwickelt. Diesen habe ich zweimal getestet, bevor ich meine repräsentative Umfrage gestartet habe, die ich aktuell auswerte“, erklärt sie.

Vorteile des strukturierten Modells

Nebenbei hat Bettina Distel regelmäßig die Möglichkeit, an der Graduiertenschule Workshops zu besuchen, die sie methodisch und inhaltlich weiterbringen. „Wir setzen uns hier sehr spezifisch mit unseren Themen und uns als Doktoranden auseinander. Das ist auf der einen Seite sehr hilfreich, auf der anderen Seite kosten der Besuch sowie die Vor- und Nachbereitung der Veranstaltungen aber natürlich auch viel Zeit“, sagt Bettina Distel.

Den Austausch mit den anderen Promovierenden schätzt sie, weil es eine ständige Herausforderung ist, sich über drei Jahre selbst zu motivieren und allein zu arbeiten. Einen weiteren Vorteil der strukturierten Promotion: Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin hat sie einen Arbeitsvertrag über eine 65-Prozent-Stelle und bekommt ihre Forschungsreisen finanziert. So ist sie nicht auf ein Stipendium angewiesen.

Gute Berufsperspektiven

Bettina Distel hofft, dass sie nach drei Jahren ihre Doktorarbeit abgeben kann. Falls sie doch länger braucht, kann sie über die Universität ein Stipendium beantragen. Sie geht davon aus, dass der Doktortitel sie beruflich weiterbringt: „Natürlich sollte niemand darauf setzen, in zehn Jahren Professor zu werden. Doch in meinem Bereich, wo es um Vertrauen, Kommunikation und Digitalisierung geht, existieren meiner Einschätzung nach gute Berufsperspektiven in der Wirtschaft und bei Stiftungen. Die Themen und die Expertise, die ich mitbringe, sind gefragt. Außerdem zeige ich mit meiner Promotion, dass ich in der Lage bin, ein Projekt drei Jahre lang zu betreuen und erfolgreich zu Ende zu bringen.“

abi>> 06.12.2017