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Auf den Spuren des Industriezeitalters

Eine junge Frau fotografiert eine verlassene Fabrikhalle.
Verlassene Industriehallen fotografisch dokumentieren, dampfbetriebene Maschinen untersuchen, in Archiven nach Aufzeichnungen forschen: Studierende der Industriearchäologie tauchen früh auch praktisch in die Forschung ein.
Foto: Rietschel

Industriearchäologie

Auf den Spuren des Industriezeitalters

Viele Projekte, jede Menge Exkursionen: Johannes Kischka (21) studiert das bundesweit einzigartige Fach Industriearchäologie an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. An seinem Bachelorstudium schätzt er vor allem die praktische Wissensvermittlung.

Es gibt da dieses alte, halb verfallene Fabrikgebäude, ganz in der Nähe der Technischen Universität Freiberg. „Da wusste niemand in der Umgebung Genaueres darüber“, erzählt Johannes Kischka. Mit seinen Kommilitonen versucht der Student nun herauszufinden, wem diese Fabrik einst gehörte, was dort produziert wurde und welche Technik und Maschinen dort zum Einsatz kamen. „Wir machen einen kompletten historischen Abriss des Geländes“, erklärt er: „Auch als Beweis dafür, dass die Fabrik einmal hier stand – denn irgendwann wird sie vermutlich einfallen.“ Bis dahin versuchen die Studierenden, so viel wie möglich über das Gebäude und seine Hintergründe herauszufinden. Sie fotografieren, dokumentieren und suchen in Archiven nach Informationen.

Von Chemie zu Industriearchäologie

Porträtbild von Johannes Kischka

Johannes Kischka

Foto: Olliver Ertelt

Johannes Kischka macht dies nicht nur aus privatem Interesse: Er studiert Industriearchäologie an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. Ein Orchideenfach, das man in Deutschland nur dort studieren kann. Für den Bachelorstudiengang ist gerade mal eine Handvoll Studierender eingeschrieben. Der 21-Jährige kam eher zufällig auf den Studiengang: „Ich habe ursprünglich Chemie studiert, bin aber durch die Matheprüfung gefallen.“ Er suchte nach Alternativen und da er sich sehr für Geschichte interessiert, wechselte er zu den Industriearchäologen. Einzige Zulassungsvoraussetzung war ein kurzes Interview am Institut, in dem es vor allem darum ging, ob der Studiengang auch der richtige für ihn sei. Daran hat Johannes Kischka mittlerweile keinerlei Zweifel mehr: „Ich bin froh, dass ich den Studiengang gefunden habe.“

Industriearchäologen erfassen, erforschen, interpretieren und erhalten die gegenständlichen Überlieferungen des Industriezeitalters, etwa Gebäude oder Maschinen. Für den Studenten verbindet die Wissenschaft seine beiden Lieblingsfächer: Geschichte und Chemie.

Projekte auch im Ausland

An seinem Studium schätzt er auch den hohen Praxisanteil. Jedes Jahr gibt es ein großes Projektseminar – wie um das verfallene Fabrikgebäude. Hinzu kommen Exkursionsseminare. „Demnächst reisen wir zum Beispiel durch die englische Region Cornwall und Wales, besuchen Bergwerke und Spinnfabriken. Dafür erstellen wir vorher eine Art Reiseführer, für den jeder Studierende Beiträge schreiben muss“, erzählt er.

Durch derlei Projekte können sie das erlernte Wissen, etwa zur Technikgeschichte von der Antike bis zur Hochindustrialisierung oder zur Industriearchitektur, direkt in die Praxis umsetzen. „Die ersten Baumwollfabriken waren richtige Paläste – heute sind Industriegebäude ja eher zweckmäßig“, erklärt Johannes Kischka. Aber auch Wissenschaftstheorie, Archivkunde, Denkmalpflege oder Museologie stehen auf dem Studienplan. Oft kommen die Dozenten dabei aus der Praxis, arbeiten in einem Staatsarchiv oder einem Industriemuseum.

Später: Museum oder erst promovieren

Für Johannes Kischka steht bereits fest, dass er nach seinem Abschluss den Masterstudiengang Industriekultur an der TU Freiberg belegen wird, um sich zu spezialisieren. „Ich würde später sehr gerne in einem Museum arbeiten und Ausstellungen mitorganisieren. Ich kann mir aber auch vorstellen, am Institut zu bleiben und zu promovieren.“ Für beides ist der Master Voraussetzung.

Industriearchäologen sollten vielseitig interessiert sein und gerne interdisziplinär arbeiten. „Wer sich für beides interessiert – Natur- und Geisteswissenschaften – für den ist der Studiengang perfekt“, findet Johannes Kischka.

abi>> 08.09.2017