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„Dann musste alles sehr schnell gehen“

Eine junge Tierärztin untersucht einen Hund.
Tiermedizin kannst du in Deutschland nur an fünf Hochschulen studieren. Doch was, wenn du einen der wenigen Plätze ergatterst, aber nicht in deiner Wunschstadt? Dann kann ein Studienplatztausch helfen.
Foto: Heusel

Studienplatztausch – Erfahrungsbericht

„Dann musste alles sehr schnell gehen“

Alessa Männle studiert im ersten Semester Tiermedizin an der Uni Gießen. Anfang September 2017 hätte die 18-Jährige das noch nicht für möglich gehalten, denn die Stiftung für Hochschulzulassung hatte ihr eigentlich einen Studienplatz in Hannover zugewiesen. Zum Glück fand sie einen Tauschpartner, wie sie abi>> berichtet.

Mein Einstieg ins Studium der Tiermedizin war ziemlich turbulent. Das fing schon kurz nach der Entscheidung an, dieses Fach zu wählen …

Der Umgang mit Tieren hat mir schon immer viel Spaß gemacht. Auch der naturwissenschaftliche Aspekt rund um Biologie, Chemie und Physik reizt mich. Also war für mich klar, dass ich nach dem Abi Tiermedizin studieren möchte. Als ich mich jedoch erkundigte, stellte ich mit Erschrecken fest, dass man das in Deutschland nur an fünf Unis studieren kann: in München, Berlin, Hannover, Gießen und Leipzig. Und die Hürde durch die bundesweite Zulassungsbeschränkung ist hoch.

Welcher Studienort ist der richtige für mich?

Ein Porträtbild von Alessa Männle

Alessa Männle

Foto: privat

Der Studienplatz wird zentral über Hochschulstart vergeben. Das ist das Portal der Stiftung für Hochschulzulassung, die das Bewerbungsverfahren für alle bundesweit und für einige örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge abhält. Bei der Bewerbung auf hochschulstart.de muss man seine Wunschunis angeben. Das war für mich gar nicht so einfach: Berlin erschien mir zu groß. München? Das gilt als total teuer. Leipzig war mir zu weit weg. Ich komme aus einem kleinen Ort zwischen Karlsruhe und Offenburg, und da ich noch nie für längere Zeit von Zuhause weg war, wollte ich oft heimfahren können. Demnach blieben Hannover und Gießen. Doch um überhaupt eine Chance in Hannover zu haben, muss man die Uni als Favorit angeben, die Uni Gießen verlangt das nicht – also wählte ich Hannover auf Platz eins.

Tatsächlich bekam ich den Studienplatz an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Klar, ich war erst einmal froh. Aber dann schaute ich mir erneut die Distanzen an und mir wurde bewusst, dass die Fahrerei teuer werden und auch viel Zeit kosten würde. Was tun? Ich nahm sofort Kontakt mit der Uni Gießen auf. Die Studienberater dort erzählten mir von der Möglichkeit eines Studienplatztauschs und empfahlen mir diverse Tauschportale. Ich habe mich auf sämtlichen eingetragen. Letztendlich bekam ich aber nur Anfragen über die Seite studienplatztausch.de. (Mehr über das Portal erfährst du im Interview „Des einen Leid, des anderen Freud“.)

Gemeinsam den Tausch amtlich machen

Das Annoncieren war dort ziemlich simpel: Man gibt seinen aktuellen Studienort an, den Wunschort und seine Kontaktdaten  – fertig. Ich wurde aber auch darauf hingewiesen, dass es sehr wichtig ist, dass ich mich zunächst in Hannover immatrikuliere. Das habe ich auch gemacht und dann ein paar unruhige Tage gewartet. Mein Handy war in dieser Zeit immer in Sicht- und Hörweite. Wenn ich arbeiten musste, hatte es meine Mutter im Blick.

Und nach zwei Wochen kam die ersehnte Nachricht. Ein Nachrücker meldete sich bei mir. Er hatte einen Studienplatz in Gießen bekommen, wollte aber nach Hannover. Perfekt! Zwei Tage später wollte er sich in Gießen einschreiben. Dann musste alles sehr schnell gehen: Ich entschied spontan, mich mit ihm dort zu treffen. Vor Ort füllten wir beide gleich das Tauschformular aus und ließen uns je einen Bestätigungsstempel geben. Dann sind wir gemeinsam mit den Zug nach Hannover gefahren. Dort legten wir das Formular von Gießen vor. Er hat sich immatrikuliert und ich habe mich exmatrikuliert. Das ging eigentlich problemlos, obwohl der Tausch für die Leute in den Univerwaltungen viel Papierkram bedeutet.

Stressiges Hin- und Herfahren

Am nächsten Tag musste ich dann nach Gießen zurück, um mich dort einzuschreiben. Das war am Vormittag nicht möglich gewesen, weil mir die Bestätigung aus Hannover gefehlt hatte. Nun hatte ich aber das gestempelte Formular in der Tasche – genauso wie die Exmatrikulation meines Tauschpartners. Dass er dafür den Weg nicht noch einmal auf sich nehmen musste, war ziemlich nett von der Uni Gießen. Also bin ich allein zurück nach Gießen. Alles ging glatt und ich war platt – aber glücklich. Vier Tage nach unserer ersten Kontaktaufnahme war der Tausch perfekt.

Mittlerweile habe ich mein Zimmer im Wohnheim in Gießen bezogen. Um dieses hatte ich mich auf Verdacht bereits vorab gekümmert. Mit meinem Tauschpartner möchte ich gerne in Kontakt bleiben und mitbekommen, wie sein Studium in Hannover läuft. Aber nach einigen Wochen in Gießen bin ich mir sicher, dass ich den Tausch nicht bereuen werde.

abi>> 09.11.2017

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