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Eintrittskarten ins Studium

Klassenzimmer
Abitur, Fachhochschulreife, fachgebundene Hochschulreife – worin liegt der Unterschied? Und was muss man bei der Studienwahl beachten?
Foto: Martin Rehm

Schulabschlüsse – Überblick

Eintrittskarten ins Studium

Mit welchem Abschluss wo studieren? Diese Frage stellen sich viele Schulabgänger. Zu unterscheiden sind zunächst drei Arten von Schulabschlüssen, die zum Studium an unterschiedlichen Hochschularten berechtigen. abi» gibt einen Überblick zu Abitur, Fachhochschulreife und fachgebundener Hochschulreife.

Abitur

Wer das Abitur in der Tasche hat, dem stehen sämtliche Türen offen. „Genaugenommen kann als Abitur nur die allgemeine Hochschulreife bezeichnet werden“, erklärt Mandy Rusch, Berufsberaterin für Abiturienten bei der Agentur für Arbeit Leipzig. „Damit erwirbt man die uneingeschränkte Studienberechtigung und kann sich grundsätzlich aussuchen, ob es eine Uni, Fachhochschule, duale Hochschule oder Berufsakademie sein soll. Eine Hürde können dabei allerdings Zulassungsbeschränkungen wie ein Numerus clausus oder hochschuleigene Auswahlverfahren sein.“ Numerus clausus bedeutet, dass die Zahl der Studienplätze in einem Fach begrenzt ist. Um einen Platz zu ergattern, müssen Bewerber einige von der Hochschule festgelegte Kriterien erfüllen, beispielsweise einen gewissen Abiturnotenschnitt oder Sprachkenntnisse vorweisen.

Zu beachten ist außerdem, dass einige Studiengänge, dazu zählen etwa Medizin oder Jura, ausschließlich an Universitäten studiert werden können; hier bleibt nur die Wahl des Standortes – je nachdem, wo man einen Studienplatz erhält.

Für Studiengänge, die mit Staatsexamen abschließen, ist die allgemeine Hochschulreife erforderlich, gegebenenfalls ist aber auch der Zugang über die fachgebundene Hochschulreife oder ein vom jeweiligen Bundesland als gleichwertig anerkanntes Zeugnis möglich. Dazu hat die Berufsberaterin noch einen Hinweis. „Die allgemeine Hochschulreife kann übrigens auch an Fachgymnasien oder Beruflichen Gymnasien erworben werden, auch wenn diese Schulbezeichnungen anderes vermuten lassen. Man wählt dann zwar einen fachbezogenen Leistungskurs, erhält aber am Ende die allgemeine Hochschulreife.“

Fachhochschulreife

Ein Porträt-Foto von Mandy Rusch

Mandy Rusch

Foto: privat

Da Bildungspolitik in Deutschland Ländersache ist, gibt es aufgrund von 16 Schulgesetzen verschiedene Möglichkeiten, zur Fachhochschulreife zu gelangen. Je nach Bundesland ist der Abschluss am Gymnasium, an der Gesamtschule, am Berufskolleg, an der Fach- oder Berufsoberschule, im Telekolleg, an der Abendschule oder via Fernunterricht möglich.

Schüler, die am Gymnasium etwa das Abitur nicht bestanden haben oder bereits nach der elften Klasse (zwölfte Klasse im G9-Modell) abgehen, erwerben häufig den „schulischen Teil“ der Fachhochschulreife. Die allgemeine Fachhochschulreife kann man durch ein einjähriges Praktikum oder eine anerkannte Berufsausbildung erlangen. Diese berechtigt generell zum Studium an allen Fachhochschulen bundesweit. Dabei sollte man sich von Begrifflichkeiten nicht verwirren lassen, denn einige Fachhochschulen nennen sich inzwischen auch Hochschulen für angewandte Wissenschaft beziehungsweise University of Applied Sciences. „Mittlerweile gibt es die Tendenz“, erläutert Mandy Rusch, „dass sich Universitäten der Fachhochschulreife öffnen – zumindest bei Bachelor- und Masterstudiengängen. Dies gilt bisher für die Bundesländer Hessen und Niedersachsen, neu hinzugekommen ist Brandenburg.“

Wer also ohne allgemeine Hochschulreife an einer Universität studieren möchte, sollte sich im Vorfeld genau über die Zugangsvoraussetzungen an der jeweiligen Universität informieren.

Fachgebundene Hochschulreife

Die dritte Variante ist die fachgebundene Hochschulreife, die an Berufsoberschulen (BOS), in einigen Ländern auch an Fachoberschulen oder Fachgymnasien erworben werden kann. Dieser Abschluss ermöglicht ein Studium aller Fächer an den meisten Fachhochschulen, wobei die Bestimmungen je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen können.

An Universitäten hingegen können ausschließlich solche Fächer studiert werden, auf die der Schulabschluss inhaltlich im gewählten Schwerpunkt, wie Technik, Gesundheit und Soziales oder Gestaltung, vorbereitet hat. In manchen Bundesländern gibt es Listen, die aufführen, welche Vorbildung erforderlich ist, um fachgebunden an einer Universität studieren zu können. Da die Zulassung an Universitäten mit fachgebundener Hochschulreife unterschiedlich gehandhabt wird, sollte man sich bei der gewünschten Universität rechtzeitig über den angestrebten Studiengang informieren.

Mit Vorsicht ist der weit verbreitete Begriff „Fachabitur“ zu genießen. „Er führt häufig zu Missverständnissen, da damit neben der fachgebundenen Hochschulreife auch die Fachhochschulreife gemeint sein kann“, betont Mandy Rusch. „Selbst einige Schulen verwenden diese schwammige Bezeichnung, zum Beispiel auf ihren Homepages.“ Im Zweifel rät sie daher, die Beratungsstellen der präferierten Universitäten oder Fachhochschulen oder die Berufsberatung der Agenturen für Arbeit zu kontaktieren.

Studieren ohne Abitur und Co.

Und auch denjenigen, die ohne Abitur, Fachhochschulreife oder fachgebundene Hochschulreife studieren möchten, eröffnen sich mehrere Möglichkeiten. So ist der Meister oder ein vergleichbarer Abschluss der allgemeinen Hochschulreife gleichwertig. Darüber hinaus können sich Studieninteressierte mit Berufsausbildung und mehrjähriger Berufspraxis für Studiengänge einschreiben, die inhaltlich an ihre Berufstätigkeit anknüpfen. Da die Regelungen im Einzelnen je nach Bundesland unterschiedlich sind, gilt es auch hier, sich umfassend zu informieren.

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de

www.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Infos für Studierende und Hochschullehrer, eigene Bibliothek über Hochschulpolitik
www.hrk.de

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Informationen zu Bildung und Forschung in Deutschland
www.bmbf.de

abi>> 17.05.2017