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Mit Haut und Haaren

Eine Lidschattenpalette
In der Beautybranche dreht sich nicht alles nur ums Schminken. Wissenschaft und Technik sind ebenfalls gefragt.
Foto: Martin Rehm

Ich will was machen mit Beauty

Mit Haut und Haaren

Professionelle Schminktechniken, angesagte Frisurentrends oder die neuesten Anti-Aging-Anwendungen: Um der Schönheit auf die Sprünge zu helfen, gibt es viele Tipps und Tricks. Ebenso vielfältig sind die beruflichen Möglichkeiten in diesem Bereich – von klassischen Beauty-Ausbildungen zum/r Kosmetiker/in oder Friseur/in bis hin zu Berufen in der Produktentwicklung oder Forschung, denn „Beauty“ kann man auch studieren.

Als Eileen Schumacher-Pickardt, Studentin der Kosmetikwissenschaft an der Universität Hamburg, in ihr Studium startete, war sie sich sicher: Im Anschluss möchte sie an beruflichen Schulen unterrichten. Nach vier Semestern kann sie sich nun allerdings auch vorstellen, in der Industrie zu arbeiten. „Ich habe während des Studiums richtig Lust bekommen, in die Forschung zu gehen“, erklärt die Bachelor-Studentin. Hier würde sie gerne an klinischen Studien mitarbeiten oder neue Produkte entwickeln: „Besonders interessiere ich mich für ‚grüne Kosmetik‘, sprich Naturkosmetik.“

Egal, wie sie sich letzten Endes entscheidet – zunächst steht der Master auf dem Plan. Eileen Schumacher-Pickardt hat Glück, denn in Hamburg stehen ihr alle Wege offen: Zum einen besteht die Möglichkeit, Kosmetikwissenschaft im Rahmen einer beruflichen Fachrichtung des Lehramtsstudiengangs – Lehramt an beruflichen Schulen – zu studieren, zum anderen kann aber auch der naturwissenschaftlich ausgelegte Masterstudiengang mit der Bezeichnung Kosmetikwissenschaft absolviert werden. Die Bachelorabsolventen können also zwischen einem „Master of Education“ (Lehramt) und einem „Master of Science“ (Forschung/Industrie) wählen.

Interessiert an Naturwissenschaften

Ein Porträt-Foto von Eileen Schumacher-Pickardt

Eileen Schumacher-Pickardt

Foto: Palina Scerbatzova

Der klassische Weg in den Studiengang Kosmetikwissenschaft an der Uni Hamburg führt über eine Ausbildung, einen Meistertitel oder den dritten Bildungsweg. „Abiturienten sind in unserem Studiengang tatsächlich die Ausnahme“, erklärt Eileen Schumacher-Pickardt. Sie legen die Berufserfahrung, über die sie anders als ein ausgelernter Friseur oder eine Kosmetikerin nicht verfügen, in einem etwa einjährigen Praktikum im Friseurhandwerk und in einem Kosmetiksalon ab. Und welche Voraussetzungen sollte man noch mitbringen? „Zweifelsohne ein Interesse an Naturwissenschaften“, weiß die 29-Jährige. In den ersten drei Semestern liegt der Studienschwerpunkt auf Dermatologie, Chemie, Allergologie und biophysikalischen Messverfahren wie der pH-Metrie, also der Bestimmung des pH-Wertes der Haut, und der Sebumetrie, der Quantifizierung des Hautfettgehalts.

In einem chemischen Praktikum lernen die Studierenden – derzeit übrigens nur etwa 20 in jedem Jahrgang und fast ausnahmslos Frauen –, wie sie haar- und hautkosmetische Präparate herstellen. „Noch wichtiger als Vorwissen in Chemie finde ich gute Englischkenntnisse“, betont Eileen Schumacher-Pickardt. Denn: „Alle wissenschaftlichen Arbeiten sind in Englisch verfasst – ohne entsprechende Kenntnisse tut man sich da extrem schwer.“ Egal, wofür sie sich letzten Endes entscheidet – Forschung oder Lehre –, ihre Berufsaussichten schätzt sie gut ein. „Mit dem Master stehen mir viele Türen offen“, ist sich die junge Frau sicher.

Was mit Beauty – aber was genau?

Eileen Schumacher-Pickardt hatte bei ihrer Studienwahl bereits eine konkrete Vorstellung davon, was sie später damit anfangen wollte, inzwischen haben sich ihr noch ganz neue Berufsaussichten eröffnet. Was aber, wenn das Bild der künftigen Tätigkeit eher verschwommen ist? Monika Plaza, Beraterin für akademische Berufe der Agentur für Arbeit Gütersloh, kennt die Vielfalt der Möglichkeiten. Unlängst saß bei ihr ein junger Mann, der beruflich „etwas mit Beauty“ machen wollte und suchte Rat. „Zunächst war es wichtig, den Begriff Beauty genauer zu definieren, damit wir beide sicher sein konnten, vom Gleichen zu sprechen. Wir einigten uns darauf, dass es um ‚irgendwas mit Kosmetik‘ ging“, erklärt die Berufsberaterin die Annäherung an das Thema.

Danach stellte sie dem Ratsuchendem weitere Fragen. Sieht er sich als Person, die eine kosmetische Behandlung an einem anderen Menschen durchführt? Oder ist sein Arbeitsort das Büro, wo er als Kaufmann mit Kosmetikprodukten Handel betreibt? Oder möchte er an der Entwicklung und Herstellung von kosmetischen Produkten beteiligt sein? Will er später unterrichten oder in die Forschung? Je nach Interessenschwerpunkt sehen die Zugänge zur jeweiligen Tätigkeit ganz unterschiedlich aus. Bringt eine Person, wie der junge Mann, die Allgemeine Hochschulreife mit, dann stehen sämtliche Wege offen: eine duale oder schulische Ausbildung, eine Sonderausbildung für Abiturienten und natürlich auch ein Studium.

Beraten, vertreiben, entwickeln

Ein Porträt-Foto von Monika Plaza

Monika Plaza

Foto: privat

Wer Menschen beraten, Hauttypen beurteilen und geeignete Pflegemaßnahmen durchführen will, sollte sich über die Ausbildung zum/r Kosmetiker/in informieren. Wer das Aussehen von Menschen verändern will, der kann darüber hinaus auch Friseur/in und Maskenbilder/in werden. Wer mit Kosmetikprodukten handeln will, der kann den Beruf des Handelsfachwirt/Fachwirt für Vertrieb im Einzelhandel ergreifen oder als Drogist/in Kunden beraten, Waren annehmen und präsentieren.

Da sich im Gespräch schnell herausstellte, dass der sehr an Naturwissenschaften interessierte junge Mann gerne selbstständig arbeitet und am liebsten etwas Neues entwickeln wollte, war bald klar: Sein Weg in die „Beauty-Branche“ würde über ein Ingenieurstudium führen, zum Beispiel Technologie der Waschmittel und Kosmetika an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe oder Kosmetikwissenschaften an der Uni Hamburg. Mit diesem Abschluss steht ihm der Weg in die freie Wirtschaft offen, wo er in der Produktentwicklung, in der Qualitätssicherung oder in der Grundlagenforschung arbeiten kann – um nur einige der vielen Möglichkeiten zu nennen.

Branche unter Druck

Der junge Mann darf sich freuen. Denn auch wenn die Berufe der Chemie- und Pharmatechnik, denen Ingenieure der Technologie der Kosmetika und Waschmittel zuzuordnen sind, mit 14.000 gemeldeten Beschäftigten im Jahr 2018 eher einen kleinen Teil ausmachen, gibt es hier einen positiven Trend: 420 Arbeitslose standen 150 gemeldeten Arbeitsstellen gegenüber. „Das entspricht 8,7 Prozent weniger Arbeitssuchenden und 16,8 Prozent mehr gemeldeten Stellen gegenüber dem Vorjahr – allerdings auf einem niedrigen Niveau“, erläutert Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

Anders sieht es bei den Berufsschullehrern aus, zu denen Kosmetologen zählen: Die Zahl der Arbeitslosen liegt 2018 bei +7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Kosmetologinnen und Kosmetologen werden hier jedoch nicht extra ausgewiesen“, betont Claudia Suttner. Zudem sind 61 Prozent der Berufsschullehrkräfte verbeamtet – ein Umstand, der den Beruf sehr attraktiv macht.

„Akademiker/-innen, die für die Kosmetikbranche tätig werden wollen, finden nur einen kleinen Arbeitsmarkt vor“, weiß Claudia Suttner. Sie rät: „Mit frühzeitiger Netzwerkarbeit oder aber Flexibilität vergrößert man seine Chancen auf einen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben.“ Und auch neben dem Studium gibt es gute Chancen: „In der Kosmetik liegt der Anteil der Selbstständigen bei fast zwei Drittel. Daher rät die Expertin: „Bei der Berufswahl sollte man die Möglichkeit, als Kosmetiker/in einmal sein eigenes Geschäft zu führen, in die Überlegungen einbeziehen.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen liefert beispielsweise das Teilberufsfeld "Kosmetik, Körperpflege und Wellness".

berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchwort z.B. Schönheit)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

 

Kursnet
Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE
Die Online-Stellenbörse der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

 

Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V.
www.ikw.org

 

VKE – Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse e.V.
www.vke.de

 

Bundesberufsverband der Fachkosmetiker/-innen in Deutschland
www.bfd-ev.com

 

Fachverband Wellness, Beauty und Gesundheit e.V.
www.wellness-fachverband.de

abi>> 12.06.2019