Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

„Das Gold der Gegenwart sind Daten“

In einer Bibliothek stehen zahlreiche Regale voll mit Büchern.
Gehören Bibliotheken wie diese schon bald der Vergangenheit an? Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung erfolgt auch die Archivierung und Dokumentation inzwischen häufig digital.
Foto: Martin Rehm

Ich will was machen mit Archiv und Dokumentation

„Das Gold der Gegenwart sind Daten“

Im Zuge der Digitalisierung geht es allseits darum, eine deutlich gestiegene Menge an Schriftstücken, Dokumenten und andere Informationen dauerhaft für die Nachwelt zu sichern. Durch die Fülle des Materials tun sich hier auch vielfältige berufliche Möglichkeiten und Chancen auf.

Wissen heißt wissen, wo es geschrieben steht“, sinnierte einst der deutsch-amerikanische Physiker Albert Einstein. Noch bekannter ist die daraus wohl abgeleitete Floskel: „Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht.“ Dafür, dass das klappt, sorgen unter anderem Archivare, vor allem aber Bibliothekare und Dokumentare.

Auch Lea Josefine Becher könnte solche Aufgaben einmal übernehmen. Die 27-Jährige absolviert aktuell das dritte Fachsemester des Bachelorstudiengangs „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK). „Ich hatte zuvor Germanistik und Politikwissenschaften auf Lehramt studiert und parallel dazu drei Jahre lang als studentische Hilfskraft in einer öffentlichen Bibliothek gearbeitet“, berichtet sie. „Diese Arbeit hat mir unheimlich viel Freude bereitet, und so habe ich mich nach dem Bachelorabschluss dazu entschieden, noch ein zweites Studium zu absolvieren.“

Mögliches Ziel: Bibliothekarin

Ein Porträt-Foto von Lea-Josefine Becher

Lea Josefine Becher

Foto: privat

Das Bachelorstudium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft umfasst in Leipzig sieben Semester. „Das fünfte Semester ist dabei ein Praxissemester, in dem alle Studierenden eine Bibliothek oder eine andere informationsvermittelnde Einrichtung besuchen, um dort zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln“, erklärt die Studentin. „Auch generell ist das Studium an der HTWK sehr praxisorientiert, was mir besonders gut gefällt.“

Die Seminare behandeln zunächst grundlegende Inhalte wie Medientheorie, Strukturen des Bibliotheks- und Informationswesens, Medienerschließung oder computerbasierte Datensysteme. Im dritten Semester können die Studierenden sich dann zwischen drei Schwerpunkten entscheiden: Kinder- und Jugendbibliothekswesen, Informationserschließung und -vermittlung oder Literatur- und Medienvermittlung. Lea Josefine Becher entschied sich für das Kinder- und Jugendbibliothekswesen.

Nach dem Bachelorabschluss hat sie verschiedene Möglichkeiten. „Schon mit diesem Abschluss könnte ich zum Beispiel als Bibliothekarin in einer öffentlichen oder wissenschaftlichen Bibliothek arbeiten und etwa für die Bestandsanschaffung und Vermittlung zuständig sein. Aber auch ein anschließendes Masterstudium könnte ich mir gut vorstellen“, sagt Lea Josefine Becher.

Reichhaltiges Studienangebot

Ein Porträt-Foto von Cathleen Hofeditz

Cathleen Hofeditz

Foto: privat

„Ein Studium im Bereich Informationswissenschaft bereitet zielgerichtet auf den Einsatz in diesem Berufsfeld vor“, bestätigt Cathleen Hofeditz von der Agentur für Arbeit Dresden. „Dazu gehören auch Bachelorstudiengänge wie Archivwesen, Bibliothekswesen oder Informationsmanagement.“ Mögliche Masterstudiengänge wie „Buchwissenschaft“ oder „Konservierung und Restaurierung von Kunstwerken auf Papier-, Archiv-und Bibliotheksgut“ bereiten speziell auf Aufgaben vor, bei denen es etwa darum geht, alte Schriftstücke durch Reprotechnik aufzubereiten, zu verfilmen und haltbar zu machen. Infrage kommen außerdem verwandte Studiengänge wie Museologie oder Medienmanagement.

Zudem besteht die Möglichkeit, eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen, etwa mit dem Bachelorstudiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement. Dieser wird deutschlandweit nur an drei Hochschulen angeboten und eröffnet eine Tätigkeit im gehobenen Archiv- oder Bibliotheksdienst.

Vier Schnittstellenbereiche

Wie die Berufsberaterin weiter erläutert, zeichnen sich außerdem vier große Schnittstellenbereiche ab. „Aufgrund der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung erfolgt auch die Archivierung und Dokumentation inzwischen häufig digital. Entsprechendes Wissen vermitteln interdisziplinäre Studiengänge an der Schnittstelle zur Informatik, wie etwa ‚Informations-und Datenmanagement‘ oder ‚Bibliotheksinformatik‘ sowie an der Schnittstelle zur Medientechnik mit Studiengängen wie „Digitale Medien“, „Medieninformatik“ oder „Information, Medien, Bibliothek“. Ein weiterer Bereich ist die Schnittstelle zur Logistik mit Studiengängen wie „Logistik-und Informationsmanagement“. Hier geht es beispielsweise um komplexe Förderbandsysteme und Aufzüge, die Bücher und Datenträge über Räume und Stockwerke hinweg transportieren, sie sortieren und bereitstellen.

„Als vierte Schnittstelle rückt das Rechtswesen immer mehr in den Vordergrund“, ergänzt Cathleen Hofeditz. „Dabei geht es um Medien- und Informationsrecht mit Aspekten wie dem Recht am geistigen Eigentum, Web-Piraterie, Markenrechten und so weiter.“ Ihr Fazit: „Die Bandbreite an Möglichkeiten nimmt zu, denn das Gold der Gegenwart sind Daten.“ So gewinnt auch das Berufsbild Dokumentar/in an Bedeutung. Dabei geht es um die Erhebung, Aufbereitung und Bereitstellung von Informationen einschließlich des Aufbaus von Datenbanken und deren Aktualisierung, also den Wachstumsbereich Big Data und Informationsmanagement.

FaMI & Co: Die Ausbildungsberufe

Auch Ausbildungsberufe eröffnen den Weg in Archiv-, Bibliothekswesen und Dokumentation. Der Klassiker unter den Ausbildungsberufen ist der Fachangestellte für Medien-und Informationsdienste (FaMI). Diese duale Ausbildung erfolgt wahlweise in den Bereichen Archiv, Bibliothek, Bildagentur, Medizinische Dokumentation oder Information und Dokumentation. Alle, die sich speziell für Aufgaben in Kliniken interessieren, bei denen es etwa um den Umgang mit Patientendaten geht, könnten sich auch für die schulische Ausbildung zum Medizinischen Dokumentationsassistenten entscheiden. Sie wird in Sachsen und einigen anderen Bundesländern angeboten.

Doch was haben die Bereiche Archiv und Bibliothek eigentlich gemeinsam und was unterscheidet sie? „Bei beiden geht es darum, Vergangenes für die Zukunft zu bewahren“, erläutert Cathleen Hofeditz. „Archive und Bibliotheken stehen im Dienst der Dokumentation und sind nicht voneinander zu trennen. Vielmehr bilden sie eine Einheit mit verschiedenen Schwerpunkten.“

Wer sich für die Arbeit in einem der Bereiche interessiert, sollte grundsätzlich eine Neugier im Umgang mit gesellschaftlichen, politischen und historischen Themen sowie ein Interesse an Verwaltungstätigkeit, Literatur und neuen Medien mitbringen. „Außerdem sind Konzentrations- und Kommunikationsfähigkeit, Textverständnis, analytisches Vorgehen, Abstraktionsvermögen, Geduld, Sorgfalt sowie Urteilsvermögen zur Bewertung von Sinn und Nutzen gefragt“, zählt die Berufsberaterin auf.

Gute Perspektiven in Archiv-, Bibliotheks- und Informationswesen

„In Deutschland waren 2017 laut Mikrozensus rund 69.000 Erwerbstätige im Archiv-, Bibliotheks- und Informationswesen tätig“, erläutert Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Dabei hat die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in den letzten Jahren leicht zugenommen. Sie stieg im Jahr 2017 auf 54.000 Beschäftigte, das entspricht einem Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“ Die Digitalisierung hält auch in diesem Berufsfeld Einzug, sodass die Beschäftigung bei den klassischen Berufen in Archiv- und Bibliothekswesen eher zurückgeht (minus 0,4 bzw. minus 0,8 Prozent), in den Dokumentations- und Informationsdiensten aber eher zunimmt (plus 3,4 Prozent).

„Ansonsten spiegelt sich der gute Arbeitsmarkt in Deutschland insgesamt auch in diesem Berufsfeld wider“, lautet das Fazit der Expertin. „Die Arbeitslosigkeit geht zurück und die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt. Eine relativ geringe Zahl an gemeldeten Arbeitsangeboten zeigt aber auch, dass die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes begrenzt ist. So waren im Jahresdurchschnitt 2017 gerade einmal 500 Stellen für Bibliotheks- und Dokumentationsfachleute gemeldet.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
www.berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Archiv)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Archiv, Bibliothek, Dokumentation, Informationsmanagement)
www.studienwahl.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Deutscher Bibliotheksverband (dbv)

www.bibliotheksverband.de

Goethe-Institut

www.goethe.de

Verband deutscher Archivarinnen und Archivare

www.vda.archiv.net

abi>> 05.12.2018