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Freiwillige vor!

Ein Mann vermisst ein Grundstück.
Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr ist eine von vielen Möglichkeiten, sich nach der Schule zu engagieren.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Freiwilligendienste im Inland – Hintergrund

Freiwillige vor!

Gründe für eine Freiwilligenzeit nach dem Abitur gibt es viele. Sie bietet nicht nur die Gelegenheit, sich für das Gemeinwohl zu engagieren und Erfahrungen zu sammeln, sondern kann auch der Orientierung für die Berufswahl dienen. Ob in der Kultur, der Politik, im Sport, im sozialen oder im digitalen Bereich – die Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige in Deutschland sind vielfältig.

Jeden Tag draußen arbeiten, bei Wind und Wetter: Das ist für Maximilian Engler, der gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei dem Verein Grüne Aktion Sachsen absolviert, einer der größten Unterschiede zur Schule. „Außerdem empfinde ich es als sehr befriedigend, nach dem Abschluss eines Projektes sofort den Erfolg zu sehen, und nicht wie in der Schule permanent auf langfristige Ziele hinzuarbeiten“, betont der 18-Jährige.

Sein Einsatzort ist die Geschäftsstelle des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Chemnitz. „Gemeinsam mit anderen Freiwilligen kümmere ich mich um die vom NABU gepachteten Flächen in der Region. Im Sommer mähen wir die Wiesen, im Herbst steht die Apfelernte auf den Streuobstwiesen an und von Winteranfang bis in den Frühling hinein kümmern wir uns um den Obstbaumbeschnitt und bauen Amphibienzäune auf“, berichtet Maximilian Engler. „Außerdem legen wir Teiche an und übernehmen Fällarbeiten.“ Er hat sich für das FÖJ entschieden, weil er nach dem Abi nicht gleich an der Hochschule mit dem Lernen weitermachen wollte: „Ich hatte Lust auf etwas Abwechslung und wollte ein bisschen Ruhe vor Klausuren, Präsentationen und Prüfungen.“

Seit er klein ist, begeistert sich Maximilian Engler für die Natur, aufgewachsen ist er auf einem Ökobauernhof. Nach dem FÖJ will er Umweltmonitoring an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden studieren. „Wenn alles nach Plan läuft, kann ich das Studium direkt im Anschluss beginnen, obwohl mein Durchschnitt unterhalb des derzeitigen Numerus clausus liegt, denn das FÖJ wird als Wartesemester angerechnet.“

Welches Engagement passt zu mir?

Ein Porträt-Foto von Maximilian Engler

Maximilian Engler

Foto: privat

Neben dem Freiwilligen Ökologischen Jahr gibt es viele weitere Möglichkeiten, sich nach dem Abitur zu engagieren. Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) absolvieren jedes Jahr etwa 60.000 Jugendliche und junge Erwachsene ein Freiwilligenjahr, etwa 28.000 entscheiden sich für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD). Während es für den BFD keine Altersgrenze nach oben gibt, liegt sie für das Freiwilligenjahr bei 27 Jahren. „Die meist gewählten Programme sind der Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr“, weiß Silvia Klausing, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Sangerhausen in Sachsen-Anhalt. Auch im Sport, in der Denkmalpflege, in Politik und Kultur und neuerdings auch im digitalen Bereich kann man ein Freiwilligenjahr absolvieren. „Ein Freiwilligendienst kommt für all diejenigen infrage, die sich engagieren, ein Jahr praktische Erfahrungen sammeln und in die Arbeitswelt reinschnuppern wollen, einen Plan B brauchen oder einfach noch ein bisschen Zeit und Reife für eine Entscheidung benötigen.“

Silvia Klausing rät dazu, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, in welchen Bereichen man sich einbringen möchte und welche Tätigkeiten man sich zutraut. „Es ist ein Unterschied, ob man zum Beispiel in einem Museum Schulklassen betreut, in einem Krankenhaus Menschen pflegt oder Wohnungen für Obdachlose herrichtet. Je nachdem sind eher pädagogische, soziale oder handwerkliche Fähigkeiten gefragt“, erklärt die Berufsberaterin. Fragen wie „Kann ich Blut sehen?“, „Kann ich auf fremde Menschen zugehen?“, „Bin ich ein Teamplayer?“ oder „Möchte ich mich körperlich betätigen?“ sind bei der Entscheidung genauso wichtig wie die örtliche Lage des Einsatzortes.

Die Bewerbung läuft ähnlich ab wie für einen Ausbildungsplatz. „Man bewirbt sich mit einer Bewerbungsmappe, die ein Anschreiben enthält, welches die Motivation für das Freiwillige Jahr begründet, einem Lebenslauf sowie Zeugnissen und Beurteilungen“, erläutert Silvia Klausing. Durch den Träger wird man dann zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und beide Seiten schauen, ob sie zueinander passen.

Sollte das FSJ verpflichtend sein?

Ein Porträt-Foto von Silvia Klausing

Silvia Klausing

Foto: privat

Immer wieder wird diskutiert, einen Freiwilligendienst nach der Schule zur Pflicht zu machen. „Das halten wir aus engagementpolitischen Gründen für den falschen Weg: Eigeninitiative, Mitgestaltung und Beteiligung aller Altersgruppen in der Zivilgesellschaft können nicht erzwungen werden“, meint ein Sprecher des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). „Wir werben daher dafür, eine Kultur selbstverständlicher Freiwilligkeit zu entwickeln. Damit das gelingen kann, muss der Staat ein attraktives Angebot machen. Jeder junge Mensch, der die Schulzeit beendet hat, sollte die Möglichkeit bekommen, ein Jugendfreiwilligenjahr in Deutschland zu leisten.“ Darüber hinaus bestünden bei einem Pflichtjahr hohe verfassungsrechtliche Hürden, da Grundrechte der Jugendlichen betroffen wären, wie etwa das Grundrecht auf Berufsfreiheit.

Im Dezember 2018 hat Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey ihr Konzept für das geplante Jugendfreiwilligenjahr vorgestellt. Die bestehenden Jugendfreiwilligendienste sollen dabei zu einem Jugendfreiwilligenjahr weiterentwickelt werden. „Dabei soll auch gezielt die Anerkennung des Freiwilligendienstes in Deutschland gesteigert werden, ganz besonders in der Ausbildung oder beim Studium sowie insbesondere für soziale Berufe“, so der Sprecher des BMFSFJ. Außerdem sind längerfristig viele Verbesserungen in Planung, zum Beispiel ein Zuschuss zur Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr sowie ein bundesweit einheitliches und komplett vom Bund getragenes Freiwilligengeld von 402 Euro, zuzüglich entsprechender Sozialversicherungsbeiträge. Außerdem soll es bald die Möglichkeit geben, den Freiwilligendienst auch in Teilzeit zu absolvieren.

Weitere Informationen

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Hier informiert das BMFSFJ zum Bundesfreiwilligendienst (BFD) und zu Freiwilligendiensten wie dem FSJ.
www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/engagement-und-gesellschaft/freiwilligendienste

Bundesfreiwilligendienst

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantwortet alle wichtigen Fragen rund um den Bundesfreiwilligendienst (BFD)
www.bundesfreiwilligendienst.de

Freiwilligendienste Kultur und Bildung

Informationen zu den Freiwilligendiensten FSJ Kultur, FSJ Schule, FSJ Politik und BFD Kultur und Bildung.
https://freiwilligendienste-kultur-bildung.de

Pro FSJ

Auf den Seite des Bundesarbeitskreises FSJ erfahren Interessierte unter anderem, wo und wie man sich für ein FSJ bewerben kann.
www.pro-fsj.de

natur-freiwilligendienst kulturweit

Künftig kann der Auslandsfreiwilligendienst „kulturweit“ auch in UNESCO-Biosphärenreservaten, Naturerbestätten und Geoparks geleistet werden.
www.kulturweit.de/presse/meldungen/natur-freiwilligendienst-kommt

foej.de

Förderverein Ökologische Freiwilligendienst e.V.
https://foej.de

abi>> 13.05.2019