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„Man nimmt unheimlich viel mit“

Fjorde
Norwegen hat viele beeindruckende Naturlandschaften zu bieten. Dazu gehören über 1.000 Fjorde, die auf der ganzen Welt bekannt sind.
Foto: Julia Grimminger

Au-pair in Norwegen

„Man nimmt unheimlich viel mit“

Hohe Berge, tiefe Fjorde, weite Landschaften: Es ist vor allem die unberührte Natur, die Menschen an Norwegen fasziniert. Die 20-jährige Katharina Unger hat nach dem Abitur elf Monate im Land der Naturwunder verbracht. Für abi>> berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Steckbrief

Name: Katharina Unger
Alter: 20 Jahre
Leistungskurse: Mathe, Physik, Erdkunde
Abiturjahr: 2016
Macht gerade: ausbildungsintegriertes Studium BWL + Kauffrau für Spedition- und Logistikdienstleistungen


 Einmal im hohen Norden die Polarlichter oder die nie untergehende Mitternachtssonne zu sehen, ist für viele ein Traum. Für Katharina Unger aus Wiesbaden ist dieser Wirklichkeit geworden. Die 20-Jährige verbrachte elf Monate in der Stadt Tønsberg, die südlich von Oslo an der Ostküste Norwegens liegt. Einst wurden in der ehemaligen Walfängerstadt Wikingerkönige gekrönt – heute spielt hier vor allem die Natur die Hauptrolle.

Alternative gesucht und gefunden

„Eigentlich wollte ich direkt nach dem Abitur eine Ausbildung beginnen“, erklärt Katharina Unger. „Weil das aber nicht geklappt hat, habe ich nach einer Überbrückungsmöglichkeit gesucht“. Da sie in ihrer Freizeit bereits regelmäßig eine Kindergruppe betreut hatte, konnte sie sich gut vorstellen, ein Jahr als Au-pair im Ausland zu verbringen. „Nach Skandinavien zu gehen, hat mich besonders gereizt“, ergänzt sie. Im Internet stieß die 20-Jährige bei ihrer Recherche auf die Agentur „Global Au-pair“, die unter anderem auch Aufenthalte nach Norwegen vermittelt.

„Da die Menschen dort sehr gut Englisch sprechen, musste ich keine Norwegisch-Kenntnisse vorweisen“, erinnert sie sich. Dafür galt es, eine Reihe anderer Voraussetzungen zu erfüllen: „Man muss ein Empfehlungsschreibungen, ein einwandfreies Führungszeugnis und ein ärztliches Attest einreichen. In einem Vorstellungsbrief sollte ich außerdem meine Motivation und Erwartungen darlegen.“

Familienleben auf Norwegisch

Ein Porträt-Foto von Katharina Unger

Katharina Unger

Foto: privat

Eine passende Familie war schnell gefunden und so konnte das Abenteuer Norwegen für Katharina Unger im August 2016 beginnen. Nach ihrem Flug nach Oslo ging es mit dem Zug weiter nach Tønsberg, wo die berufstätigen Eltern mit ihren drei Söhnen im Alter von fünf, sieben und zehn Jahren leben. „Ich fühlte mich von Anfang an in das Familienleben integriert“, sagt sie. „Zu Beginn verständigten wir uns noch auf Englisch, aber mit der Zeit lernte ich immer mehr Norwegisch. Wenn man es jeden Tag übt, geht das recht schnell. Man muss sich nur überwinden.“

Als Au-pair erhielt Katharina ein Taschengeld, Verpflegung sowie ein eigenes Zimmer mit Bad. Im Gegenzug kümmerte sie sich um die Kinder. Zum Beispiel half sie bei den Hausaufgaben, spielte oder las mit ihnen. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, im Haushalt mit anzupacken, „etwa Betten machen, staubsaugen, Wäsche waschen. Ab und zu habe ich auch für die ganze Familie gekocht. Das war kein Muss, hat mir aber Spaß gemacht“, erzählt sie.

Naturphänomene entdecken

Katharina Unger betont, wie wichtig es ist, als Au-pair die richtige Familie zu finden. „Ich hatte unheimliches Glück. Ich habe gerne Zeit mit ihnen verbracht und war sogar im Urlaub und an Weihnachten dabei“, erzählt sie. Am meisten hat Katharina Unger die Naturverbundenheit der Norweger imponiert. „Egal, bei welchem Wetter – die Norweger sind am liebsten draußen unterwegs. Das finde ich sehr schön. Wir haben viel unternommen, im Winter habe ich zum Beispiel Skilanglaufen gelernt.“

Um auch außerhalb des Familienverbands Eindrücke zu gewinnen, ging Katharina Unger im örtlichen Tanzverein ihrer Leidenschaft nach – dem Ballett. „Dass zu einer unserer Aufführungen meine Familie aus Deutschland kam, war für mich eines der schönsten Erlebnisse“, berichtet sie.

Austauschen konnte sich Katharina Unger mit einer Au-pair aus der Nachbarschaft. Zusammen erkundeten sie die Stadt, besuchten Museen, gingen ins Einkaufszentrum oder an die Hafenpromenade. Mit ihr fuhr sie im Urlaub auch Richtung Norden, erst nach Trondheim und dann nach Bodø. Dort erlebten sie ein seltenes Naturschauspiel, das sich nur am Polarkreis beobachten lässt: die Mitternachtssonne. „Im Norden Norwegens geht dann auch nachts die Sonne nicht unter und die Grenze zwischen Tag und Nacht verschwimmt.“

Zurück in Deutschland

Ihr Fazit: „Im Nachhinein bin ich sogar froh, dass es mit der Ausbildung nicht auf Anhieb geklappt hat – sonst hätte ich die unvergessliche Zeit in Norwegen nicht erlebt.“ Überhaupt kann sie jedem empfehlen, ein Auslandsjahr zu machen: „Man nimmt unheimlich viel mit. Wenn man auf sich alleine gestellt ist, lernt man, Verantwortung zu übernehmen und wächst über sich hinaus.“

Zurück in Deutschland hat Katharina Unger ein ausbildungsintegriertes duales Studium begonnen. Nach ihrem Abschluss wird sie den Bachelor im Fach BWL sowie den IHK-Abschluss als Kauffrau für Spedition- und Logistikdienstleistungen in der Tasche haben – eine anspruchsvolle Ausbildung, die viel Eigeninitiative und Organisation erfordert. „Von meinen Erfahrungen, die ich als Au-pair gesammelt habe, werde ich sicher auch in meinem dualen Studium profitieren.“

Mehr Infos

Global Au-pair ist eine Organisation, die sich auf Auslandsaufenthalte weltweit spezialisiert hat. Es gibt noch weitere Auslandsaufenthaltsanbieter. Weitere Infos zu Überbrückungsmöglichkeiten wie Au-pair findest du auch auf www.rausvonzuhaus.de.

abi>> 01.12.2017