Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

„Mal eben“ helfen?

Mann und Frau halten Weltkugel in ihren Händen.
Nach dem Abitur die Welt bereisen: Freiwilligendienste bieten die Chance auf fremde Kulturen und wertvolle neue Erfahrungen.
Foto: Martin Rehm

Freiwilligendienst in Indien

„Mal eben“ helfen?

Zwölf Monate Indien: Mathilde Süß (20) spielte und sang mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen, nähte und bastelte mit Frauen in ihrem Alter, bewegte sich mit Rikschas durch eine Millionenstadt und lernte die lokale Sprache Gujarati. Ihr Fazit: „Am Ende lernt man genau so viel Neues über sich wie über Land und Leute.“

Ahmedabad ist die größte Stadt im westindischen Bundesstaat Gujarat. Etwa sechs Millionen Menschen schlängeln sich hier tagtäglich geräuschvoll mit Rollern, Rikschas, Autos oder zu Fuß durch die quirligen Straßen. In Ahmedabad ist so ziemlich alles anders als in Dresden, wo Mathilde Süß aufgewachsen ist: die vielen Menschen, die Farben und Gerüche, die Geräusche, der Unterschied zwischen arm und reich.

Fast zwölf Monate lang unterstützte Mathilde Süß dort die Organisation Manav Sadhna – eine indische Nichtregierungsorganisation, deren Mitglieder nach Mahatma Gandhis Wertvorstellungen leben und diese auch weitergeben: Gewaltlosigkeit, Wertschätzung, Empathie, Frieden. „Die Organisation unterstützt Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich in schwierigen Situationen befinden, mit Hilfszentren vor Ort. Dort wird etwa Mathe und Englisch unterrichtet, Kinder können spielen, es gibt aber auch Computer- und Nähkurse für Frauen“, erzählt die 20-Jährige.

Große Auswahl an Projekten

Ein Porträt-Foto von Mathilde Süß

Mathilde Süß

Foto: Jayshree Joshi

Schon vor ihrem Abi stand für Mathilde Süß fest, dass sie ins Ausland gehen wollte – andere Kulturen kennenlernen, etwas von der Welt sehen. Bei den ersten Recherchen im Internet wurde ihr klar, dass es bei der Fülle an Projekten nicht leicht werden würde, etwas Passendes zu finden. Also wandte sie sich an den Verein für internationalen und interkulturellen Austausch (VIA e.V.). Die Organisation fand sie auf der Internetseite des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „weltwärts“, der durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufen wurde.

Ihrer Bewerbung folgten persönliche Gespräche und viele Informationen. „Nachdem ich mit meiner Betreuerin in Kontakt getreten war, nahm das Ganze Formen an“, erinnert sich die junge Frau. Ihr Aufenthalt war ein Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD), für den es feste Rahmenbedingungen gibt. So engagieren sich alle Freiwilligen im Vorfeld, sammeln etwa Spenden. Der Dienst wird zwar anteilig von Bundesministerien gefördert, aber das deckt die Kosten nicht ab. Nachdem Mathilde Süß sich für eine Einsatzstelle entschieden hatte, besuchte sie ein Vorbereitungsseminar und dann ging es endlich los.

Berührungsängste auflösen

Wie sie sich als Freiwillige bei Manav Sadhna einbringen konnte? „Anderen Menschen Interesse und Wertschätzung entgegenbringen“, fasst sie zusammen. Und: „Ich musste mich von Gewohnheiten lösen und lernen, meine Anforderungen an mich selbst herunterzuschrauben. Der Freiwilligendienst ist ein Geben und Nehmen zwischen Freiwilligen und Menschen vor Ort. Das Auflösen von Berührungsängsten und Vorurteilen bildet für mich letztendlich den Kern eines solchen Auslandsaufenthaltes.“

Unter anderem betreute sie einige Klassen in einer Grundschule. Drei Stunden vormittags und zwei Stunden nachmittags malte, sang, bastelte oder spielte sie mit den Kindern, die kaum ein Wort Englisch sprechen. Also lernte Mathilde Süß Gujarati. Die meisten Kinder leben unter schwierigen Umständen: „Unter den Kindern schien Gewalt manchmal die erste Lösung zu sein, mit Konflikten umzugehen“, berichtet sie. „Solche oder andere Probleme kann man als Freiwilliger aber nicht mal eben lösen. Nach und nach lernte ich, das zu akzeptieren. Eine entspannte Einstellung tut einem selbst und am Ende auch den Kindern gut!“

Mitgenommen hat sie zudem eine Entschleunigung ihres Alltags: „Ich war mir vorher sehr sicher, dass ich Psychologie studieren möchte, hätte mich aber noch während meines Indien-Aufenthalts bewerben müssen.“ Alles viel zu hektisch, entschied sie. Jetzt will sie erst einmal in Ruhe das Erlebte verarbeiten und sich dann um ihr Studium kümmern.

abi>> 05.12.2017