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„Immer ein offenes Ohr“

Skyline von New York City
Helfen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Darian Gläser verschlug es nach dem Abitur für einen Freiwilligendienst in den US-amerikanischen Bundesstaat New York.
Foto: Veronika Mahler

Freiwilligendienst in den USA

„Immer ein offenes Ohr“

Darian Gläser entschied sich nach seinem Abitur für einen Freiwilligendienst in den USA. Ein Jahr lang arbeitete der 21-Jährige in einer Obdachlosenunterkunft in Rochester im Bundesstaat New York.

Irgendwas mit Geographie“, so weit war Darian Gläser bei der Suche nach der passenden Studienrichtung schon gekommen. Doch was genau es am Ende werden sollte, stand für ihn noch in den Sternen.

Da er durch seine Familienmitglieder schon früh mit sozialen Berufen in Berührung gekommen war, entschied er sich, die Entscheidung zu vertagen und fürs Erste eine Freiwilligenzeit zu absolvieren. „Meine Schwester hatte nach ihrem Abitur ein Jahr als Au-pair im Ausland verbracht und mich auch ein Stück weit inspiriert. Ein Auslandsaufenthalt war daher für mich schon immer eine Option“, erzählt Darian Gläser. Auch wegen der Aussicht auf eine Verbesserung seiner Englischkenntnisse, fokussierte er sich bei seinen Recherchen auf das englischsprachige Ausland.

Reibungslose Organisation

Ein Porträt-Foto von Darian Gläser

Darian Gläser

Foto: privat

Mit „IN VIA“, einem Katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit, fand er eine Organisation, die verschiedene Freiwilligenprojekte auf der ganzen Welt anbietet und zudem einen Großteil der organisatorischen Abwicklung übernimmt. Nach der erfolgreichen Bewerbung informierte er sich in einem zweiten Schritt über mögliche Einsatzstellen. „IN VIA stellt auf seiner Homepage Berichte von anderen Freiwilligen zur Verfügung. So bekommt man früh ein recht klares Bild von der konkreten Aufgabe vor Ort“, erinnert sich der Abiturient, der sich daraufhin eine Prioritätenliste mit Projekten in Nordamerika, Nordirland, Neuseeland und Uganda zusammenstellte. „Der Einsatzort an sich war mir relativ egal. Ich hatte allgemein noch nicht viel von der Welt gesehen. Zudem sollte meiner Meinung nach bei so einem Projekt die Hilfe für die Menschen vor Ort im Fokus stehen. Die Freizeitplanung ist eher zweitrangig.“

Nach einem Skype-Telefonat erhielt er die Zusage seiner favorisierten Einrichtung, dem „Saint Joseph’s House of Hospitality“, einer Obdachlosenunterkunft in Rochester, New York. „IN VIA kennt die Projekte genau und prüft, ob ein Freiwilliger zur jeweiligen Stelle passt. Und auch die Vertreter der Einrichtung wollten sich natürlich persönlich von meiner Eignung überzeugen“, erzählt Darian Gläser von der Bewerbung. „Konkrete formale Anforderungen gab es nur wenige. Die einzigen Bedingungen waren fließendes Englisch sowie Volljährigkeit, die in den USA bei 21 Jahren liegt und die ich während meines Aufenthalts erlangte.“

Unterstützung für die Mitmenschen

Das „St. Joe’s“ bietet Obdachlosen und Hilfsbedürftigen ein warmes Mittagessen sowie die Möglichkeit zu duschen, ihre Wäsche zu waschen oder Hygieneartikel zu bekommen. „Man leistet hier eher seelsorgerische Arbeit, hat immer ein offenes Ohr und hört zu. Wenn jemand ein Problem hat, versucht man zu helfen. Jeder Tag sieht anders aus“, gibt Darian Gläser zu verstehen. Zudem setzt sich die Einrichtung seit Jahren für verschiedenste Personengruppen ein, etwa in Form von Aktivismus oder politischem Engagement. So war Darian Gläser während seiner Freiwilligenzeit beispielsweise an der Organisation und Durchführung von Demonstrationen beteiligt.

Abgesehen von den Wochenenden war der Freiwillige täglich von 8 bis 14 Uhr im Einsatz. Aber auch danach gab es fast immer noch etwas zu tun. „Es fielen oft noch kleinere Arbeiten an, bei denen man natürlich nicht Nein sagt. Beispielsweise fragte mal einer der Besucher, ob man ihn zu einem Arzttermin fahren könnte.“ In den kalten Wintermonaten hatte Darian Gläser zudem eine eigene Nachtschicht, in der er für die Übernachtungsgäste allein verantwortlich war. „Das Saint Joseph’s House of Hospitality ist Teil der Catholic-Worker-Bewegung. Hier gibt es keine Hierarchie. Nach vier Wochen Probezeit ist man Teil der Community und hat keine Vorgesetzten“, erklärt Darian Gläser, der im Austausch für seine Arbeitskraft vor Ort Kost und Logis sowie ein kleines Taschengeld erhielt.

Prägende Erfahrung

Die Arbeit in der Obdachlosenunterkunft gefiel dem 21-Jährigen so gut, dass er zwischenzeitlich sogar überlegte, länger in den USA zu bleiben. „Das wäre allein wegen des Visums aber gar nicht mal so einfach gewesen“, fügt der Freiwillige an.

Zudem hat er nun auch seinen Wunschstudiengang gefunden: Seit Oktober studiert er Angewandte Geographie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Das soziale Engagement an sich möchte Darian Gläser aber auch in Deutschland weiterführen und sich hierzulande um Obdachlose kümmern. „Natürlich ist die Arbeit anstrengend, hart und die Erlebnisse sind nicht immer schön. Dennoch gibt einem der tägliche Kontakt mit diesen Menschen unheimlich viel“, lautet sein Fazit.

IN VIA

IN VIA (Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit e.V.) ist in über 70 Städten in Deutschland vertreten. Neben Beratungsgesprächen und Bildungsangeboten vor Ort bietet der Verband verschiedene Au-pair- und Freiwilligenprojekte in der ganzen Welt an. Nach der erfolgreichen Bewerbung bei der Organisation, können sich die Freiwilligen gezielt für die einzelnen Projekte bewerben. Die Finanzierung der Einsätze ist durch einen Spenderkreis des jeweiligen Freiwilligen gesichert, über den ein je nach Einsatzort variierender Betrag zur Verfügung gestellt werden muss. Sollten die Kosten dadurch nicht gedeckt werden können, greift das solidarische System des Verbands.
www.invia-deutschland.de

abi>> 07.11.2018