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Herausfinden, ob es passt

Ein junge Frau spielt mit Menschen mit Behinderungen Brettspiele.
Wer wissen möchte, ob ein Beruf in der Behindertenhilfe das Richtige für ihn ist, kann sich in einem Freiwilligen Sozialen Jahr ausprobieren.
Foto: Martin Rehm

FSJ bei der Diakonie

Herausfinden, ob es passt

Anna Clara Neumann (19) absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einer Einrichtung des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. Für abi>> berichtet sie von ihren Erfahrungen.

In meiner Schulzeit hatte ich erstmals Kontakt zu Kindern mit körperlichen und geistigen Behinderungen, etwa im Werkunterricht. Durch diese Erfahrung kam ich auf die Idee, nach dem Abitur beruflich etwas mit Menschen mit Behinderungen zu machen. Um Einblick in diesen Bereich zu bekommen, habe ich mich nach dem Abitur für ein FSJ entschieden.

Nach meiner Bewerbung bei der Diakonie, die als Träger Freiwillige an Einsatzstellen vermittelt, wurde ich zu einem Gespräch eingeladen. Mir wurden einige Stellen genannt, die zu meinen Vorstellungen passen würden und am Ende konnte ich mir sogar eine Einrichtung aussuchen. Meine Wahl fiel auf das Tiele-Winkler-Haus, eine Einrichtung für Menschen mit geistigen Behinderungen, weil es hier besonders familiär zugeht. Es gibt nur drei Wohngruppen mit jeweils sechs Personen – die gemütliche Atmosphäre hat mir gleich gefallen.

Herausforderungen und Erfolgserlebnisse

Porträt-Foto von Anna Clara Neumann

Anna Clara Neumann

Foto: privat

In meiner Wohngruppe leben Menschen mit geistigen Behinderungen wie dem Downsyndrom; einige sind zugleich körperlich eingeschränkt und zum Beispiel auf einen Rollstuhl angewiesen. Anfangs war ich etwas überfordert mit der Situation: Nach der Schulzeit plötzlich jeden Tag acht Stunden zu arbeiten, war eine große Umstellung. Außerdem gab es viele neue Eindrücke, die ich verarbeiten musste. Einige Bewohner haben zu Beginn getestet, wie weit sie bei mir gehen können. Einer hat zum Beispiel versucht, sich drei Tassen Kaffee zu nehmen statt der einen, die aufgrund des Ernährungsplans erlaubt war – auch solche vermeintlichen Kleinigkeiten sind hier klar geregelt und müssen beachtet werden.

Hinzu kommt, dass die Bewohner deutlich älter sind als ich und einige von ihnen nicht akzeptieren wollen, dass sie auf jemanden hören sollen, der so jung ist wie ich. Aber zum Glück bin ich dort ja nicht alleine, sondern arbeite in einem netten Team, das überwiegend aus Heilerziehungspflegern besteht. In der besagten Situation stand mir eine Kollegin zur Seite und hat klargestellt, dass ich trotz meines jungen Alters als Betreuerin ernstgenommen werden muss.

Es gab aber auch sehr schöne Situationen und Erfolgserlebnisse. Eine ältere Dame hat zum Beispiel einen Monat gebraucht, bis sie sich meinem Namen merken konnte. Als es dann geklappt hat, haben wir uns gemeinsam gefreut.

Ausflüge mit Bewohnern begleiten

Zu meinen Aufgaben gehören neben der Unterstützung bei den Mahlzeiten und beim Küchendienst auch Ausflüge mit den Bewohnern. Einmal habe ich einen Bewohner, der im Rollstuhl sitzt, zu einer Ernährungsmesse begleitet, weil er so gerne dahin geht. Mit einem anderen Bewohner gehe ich alle zwei Wochen in den Grunewald zum therapeutischen Reiten – das ist immer sehr schön. Auch bei einer Musikgruppe, die Studentinnen einer Musikhochschule für unsere Bewohner angeleitet haben, habe ich mitgeholfen.

Übrigens bekomme ich für meinen Freiwilligendienst ein Taschengeld in Höhe von 300 Euro pro Monat. Weil ich schon alleine wohne, werde ich außerdem von meinen Eltern unterstützt.

Insgesamt gefällt mir das FSJ so gut, dass ich mich nun entschieden habe, auch beruflich in diese Richtung zu gehen. Konkret habe ich mich für die Studiengänge Rehabilitationspädagogik und Heilpädagogik beworben.

Mehr Infos

Im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. gibt es die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu leisten.
www.diakonie-portal.de/freiwilligendienste

abi>> 11.09.2018