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Medizin studieren

Fern und doch ganz nah

Zwei Monate, bevor es nach Riga ging, habe ich mich neu verliebt. Und das klingt vielleicht etwas naiv, aber in den zwei Monaten sind wir eng zusammengewachsen, sodass mein Auslandssemester für uns zur Herausforderung wurde. Nun lebten wir für fünf Monate weit voneinander entfernt – sie in Münster, ich in Riga.
Ich mag keine Fernbeziehungen. Ich bin jemand, der gerne viel Zeit mit seinem Partner verbringt und die Nähe sucht. Aber nun mussten wir mit der Situation umgehen. Sich zu vermissen ist kräftezerrend. Manchmal hat man das Gefühl, es sei kein Ende in Sicht, aber es lohnt sich. Besonders im Nachhinein finde ich unsere Entwicklung während des Auslandssemesters spannend und spüre, wie sie nachhaltig unseren Umgang miteinander und unsere Beziehung prägt. Anfangs haben wir noch recht wenig Kontakt gehabt, haben ab und zu miteinander geschrieben und alle paar Tage telefoniert. Wir merkten aber beide, dass wir uns nach einer gewissen Regelmäßigkeit sehnten. So entstanden kleine Rituale. Ich fing an, morgens nach dem Aufstehen einen kleinen Text zu schreiben, griff dabei Themen vom Vortag auf, wünschte ihr gute Dinge für den Tag und verabredete mich für später. Abends wünschten wir uns dann „Gute Nacht“, so beendete man den Tag zusammen und hörte nochmal, wie es dem anderen ging. Sonntags nahmen wir uns mehr Zeit und chatteten miteinander. Wir nutzten die Zeit, die wir hatten.
Dazu bemühten wir uns, uns in nicht allzu großen Abständen zu sehen und etwas miteinander zu erleben. Zum Beispiel fuhren wir an die Küste Lettlands, haben Nationalparks besucht und uns gegenseitig noch mehr in das jeweilige Umfeld mit einbezogen. Sie lernte alle meine Leute in Riga kennen, ich noch mehr ihrer Freundinnen und Freunde in Münster, sodass wir uns in der Ferne immer gut vorstellen konnten, was der andere gerade macht. Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Teilhabe, wonach wir beide uns gleichermaßen sehnten.
Wir wuchsen dadurch enorm, gaben uns viel Halt in einer unsicheren Zeit, denn keiner von uns konnte Garantie geben, dass das alles funktioniert. Doch das tat, unsere Beziehung blühte so richtig auf.
Die nächste Herausforderung wird sein, wieder in einen gemeinsamen Alltag einzutauchen. Aber auch das werden wir ehrlich und aufrichtig miteinander angehen, denn das ist das Wichtigste.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Sep 18, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Sep 18, 2019

Medizin studieren

Zwei Monate Surfen

Viele Examensabsolventen starten nach dem zweiten Staatsexamen direkt in das Praktische Jahr (PJ). Da arbeitet man sozusagen als „Arzt light“, muss schon im Stationsalltag mitarbeiten, lernt allerdings noch sehr viel und verdient wenig.
Ich hatte mich jedoch dafür entschieden, zwischen mein Examen und dem PJ ein halbes Jahr Pause einzuschieben, bevor der Berufsalltag beginnt.
Dabei verschlug es mich für zwei Monate nach Indonesien, einem beliebten Ziel für Backpacker, aber auch für wellenhungrige Surfer. Dabei bemühte ich mich, Orte mit möglichst wenig Tourismus zu finden. Am Ende war ich an einem Ort meiner Träume: Ich wohnte in einer kleinen Strandhütte mit Hängematte und den Wellen direkt vor der Nase. Mein Tagesablauf sah für ganze sechs Wochen so aus:
Aufstehen um 5.30 Uhr, Sonnenaufgang beobachten um 5.45 Uhr und ab sechs Uhr morgens Surfen. Um halb neun ging es dann langsam zurück an Land, gefolgt von einem ausgiebigen Frühstück, um schließlich in der Hängematte zu liegen und zu lesen. Um kurz vor zwölf ging es dann wieder an den Strand. Den Nachmittag verbrachte ich dann im nächstgelegenen indonesischen Imbiss und in der Hängematte, um Energie für die abendliche Surfsession von vier bis sechs zu tanken. Anschließend Abendessen und Lesen, um dann gegen zehn Uhr die Augen zuzumachen und von perfekten Wellen zu träumen!
Von einem „Kulturtrip“ kann also nicht wirklich die Rede sein, vielmehr hatte dieser Urlaub enorme Ähnlichkeiten mit einem sehr langen und deutlich günstigeren Skiurlaub. Alles in allem nicht die schlechteste Art und Weise, sich von einem Staatsexamen zu erholen. Nach zwei Monaten wurde das dann jedoch ein bisschen eintönig. Als ich erfuhr, dass meine Dissertation angenommen, und nun zu verteidigen wäre, entschloss ich kurzerhand, drei Wochen früher als geplant zurück nach Deutschland zu fliegen. Eine Entscheidung, die ich nie bereute.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Sep 16, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Sep 16, 2019

Medizin studieren

Das Augenlicht zurückerlangen

Im 30-Minuten-Takt wurden die Operationen abgearbeitet. Der Patient wurde in den Saal hineingefahren, auf einen Stuhl gesetzt, ein bisschen betäubt, dann kam der Arzt, machte zwei kleine Schnitte, entfernte die defekte Linse, setzte eine neue ein und zwei, drei Nähte war er fertig. Und schon konnte der Patient theoretisch wieder sehen. Augenheilkunde war mein dritter Kurs in Riga. Fünf Tage verbrachte ich in der Klinik, einen Vormittag durften wir in den OP. Die Operationen schienen auf wirklich hohem Niveau zu verlaufen. Mit geschickten Bewegungen setzte der Chirurg die neuen Linsen ein. Bis zu fünfzehn solcher Operationen macht er am Tag. Das hat mich erstaunt.
Den Rest der Woche verbrachten wir im Seminarraum und sprachen über jegliche Formen von Augenerkrankungen. Dazu gehören bekannte Erkrankungen wie die allgemeine Blindheit, aber auch Sehveränderungen durch Diabetes oder Tumore.
Zum Kurs selbst gehörte auch eine Präsentation. Als Erasmus-Student macht man sich das Leben generell etwas einfacher, so gibt es einen Pool mit fertigen Präsentationen, aus dem sich jeder bedienen kann. Allgemein herrscht Konsens darüber, dass ein Auslandssemester eher sekundär zum Lernen dient, sondern vor allem dafür da ist, sich aus seinem gewohnten Umfeld herauszugeben und andere Länder, Kulturen und viele verschiedene Menschen kennenzulernen.
Die Augenheilkunde ist ein recht komplexes Fach, was ich vorher gar nicht vermutet habe. Doch da viele Krankheiten Einfluss auf das Sehvermögen haben, muss ein Augenarzt viel wissen, um die richtigen Bezüge herstellen zu können. Die reine Behandlung der Symptome reicht häufig nicht aus. Es ist zwar kein Fach, das Leben rettet, aber Menschen Lebensqualität zurückbringt. Der Sinn des Sehens ist ein für uns unheimlich wichtig, einer, der viel mit Genuss, Erleben, aber auch Sicherheit zu tun hat. Ich selbst wäre komplett aufgeschmissen ohne mein Sehvermögen. Augenarzt werde ich wohl dennoch nicht. Aber es wurde viel Wissen mit auf den Weg gegeben, das auch in anderen Fachbereichen nützlich sein wird.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Sep 11, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Sep 11, 2019