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Was tun nach dem Abi?

Angst

Meine Erfahrungen in Nepal haben mir dabei geholfen, herauszufinden, mit was für einer Einstellung ich durchs Leben gehen will.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Angst. Egal ob durch Eltern, Medien oder eigene Erfahrungen – in Deutschland wurde ich häufig mit ihr konfrontiert. Tu dies nicht, vermeide diesen Ort, dies oder jenes könnte gefährlich sein. Nun ja, ich habe hier bereits einiges gemacht, was aus deutscher Sicht eher unvernünftig und riskant war. Zum Beispiel auf einem Busdach zu fahren. Oder generell mit dem Bus in Nepal zu fahren. Oder im Himalaya auf glitschigen Pfaden an einem steilen Hang zu wandern. Oder Rückenmark von irgendwelchen Tieren zu probieren. Am Ende ist alles gut gegangen, und ich habe gelernt, meine übertriebene Vorsicht abzulegen, die ich durch die deutsche Mentalität und Erziehung in mir trug. Natürlich habe ich immer noch Ängste, die sich schwer ablegen lassen. Aber ich habe hier ein gewisses Vertrauen entwickelt, dass alles schon irgendwie gut gehen wird. Als grundsätzlicher Kontrollmensch sein Leben in die Hände eines nepalesischen Busfahrers zu legen (der während der Fahrt am Abgrund entlang auch noch telefoniert) geht nicht von jetzt auf gleich, doch inzwischen fällt es mir um einiges leichter.
Ich möchte ein Leben führen, in dem ich Menschen vertrauen kann, ohne jedoch naiv zu sein. Ich möchte mir nicht mehr anhören, was ich lieber vermeiden sollte, weil dahinter Gefahr stecken könnte. Ich möchte nicht jeden Tag von negativen Schlagzeilen verunsichert werden.
Ich möchte mich auf neue Sachen einlassen, die mich bereichern – selbst wenn sie ein gewisses Risiko bergen. Ich möchte Orte besuchen, auch wenn sie nicht die sichersten sind. Ich möchte die Welt sehen und dabei positive Lebensenergie ausstrahlen.
Vielleicht ändere ich meine Meinung in zehn Jahren wieder, wenn ich Familie habe. Das ist dann auch okay. Aber vielleicht kann ich dafür meinen Enkeln Geschichten aus einer aufregenden Jugend erzählen.

 

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  May 7, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
May 7, 2019

Was tun nach dem Abi?

Ab nach Sevilla

Während meines Praktikums in Madrid bekam meine Chefin eine Einladung zum Welttourismuskongress in Sevilla und ich durfte sie als Fotograf begleiten. Wir machten uns frühmorgens auf den Weg und kamen nach zweieinhalb Stunden Fahrt mit dem Schnellzug in Sevilla an.
Die Konferenz war sehr groß – es kamen mehr als 10.000 Menschen. Insgesamt ging die Veranstaltung über zwei Tage. Schon bei der Ankunft im Messezentrum erwartete uns eine große Traube an Presseleuten, da Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez morgens die Messe eröffnete. Während meine Kollegin bereits in den Saal gehen konnte, musste ich mich noch ein bisschen gedulden und konnte seine Rede nur vom Bildschirm aus verfolgen, da es Probleme mit meiner Akkreditierung zum Kongress gab. Zum größten Teil kamen die Redner auf der Messe von großen Tourismuskonzernen und Kreuzfahrtgesellschaften. Leider konnten die Besucher keine Fragen an die Gäste stellen, sodass die Veranstaltung sehr träge verlief.
Doch gegen Mittag stieg die Spannung, da Barack Obama für seinen Vortrag eingetroffen war. Es waren sehr viele Kamerateams vor Ort. Die Rede an sich fand ich allerdings eher weniger spannend – es ging vor allem um Obamas persönliche Verbindung zu Spanien und seine ersten Reisen als junger Mann auf die iberische Halbinsel. Ich konnte sogar ein Foto von ihm machen – allerdings aus einigen hundert Metern Entfernung.
Um 17 Uhr Uhr ging der erste Tag der Messe vorbei und wir fuhren mit einem Shuttlebus ins Hotel. Die Hotelübernachtung wurde wie die Anfahrt von der PR-Firma bezahlt. Der zweite Kongresstag war ziemlich langweilig und leider nicht sehr spektakulär.

 

Autor: Tobias  |  Rubrik: orientieren  |  May 2, 2019
Autor: Tobias
Rubrik: orientieren
May 2, 2019

Was tun nach dem Abi?

Zu viel Aufmerksamkeit

Die meisten Freiwilligen bei der Hilfsorganisation Shanti kommen aus Deutschland, allerdings gibt es auch ein paar Nepalesen, die bei der Leprahilfe so etwas wie ein Sozialpraktikum machen. Dementsprechend wohnen sie auch nicht in unserem Wohnheim. Bis jetzt hatte ich mit ihnen nicht viel zu tun – bis Deepak kam. Für meine Arbeit war er eine Bereicherung, weil er wie kein anderer zwischen mir und den Nepalesen vermitteln kann. Aber auch menschlich ist Deepak ein total korrekter Typ mit einer differenzierten Meinung. Er ist einer der ersten Nepalesen in meinem Alter, der mir nicht zurückhaltend, sondern ganz offen auf Augenhöhe gegenübertritt.
In letzter Zeit habe ich Einiges mit ihm unternommen. Er hat einen Motorroller, sodass wir bei vielen Gelegenheiten durch die Stadt zwischen Bussen und Taxen entlangdüsten, was auch als Mitfahrer ziemlich cool war. Gestern Abend hatte einer seiner Freunde Geburtstag und Deepak lud mich ein, mit ihnen im kleinen Kreis zu feiern. Gegen 19 Uhr kam ich bei Deepak zuhause an. Er wohnt zusammen mit einer sehr musikalischen Familie. Zu fünft setzten wir uns in ein Zimmer, spielten Gitarre, sangen und stießen mit Rakshi, einem nepalesischen Schnaps, auf das Geburtstagskind an.
Nach einer Stunde wollten wir aufbrechen und essen gehen, doch das Ganze zog sich in die Länge, weil sich das Geburtstagskind nicht entscheiden konnte, wohin es gehen sollte. Eine Viertelstunde dauerte es, bis wir letztendlich doch aufbrachen. In diesen 15 Minuten erkundigten sich Deepaks Freunde ständig, ob bei mir alles gut wäre und ich mich nicht langweilte. Die kurze Wartezeit war eigentlich gar kein Problem für mich. Viel unangenehmer war mir die Fragerei. Nur weil ich aus Deutschland komme, konzentrierte sich die ganze Aufmerksamkeit auf mich, obwohl an diesem Abend jemand anderes im Mittelpunkt hätte stehen sollen – etwas, dass mir in Nepal immer wieder aufgefallen ist. Man gilt als etwas Besonderes und das finde ich ziemlich nervig. . Nach der ganzen Zeit, die ich schon hier bin, möchte ich das nicht mehr.
Schließlich treiben wir um 21 Uhr noch das gefühlt letzte offene Lokal auf – in Nepal schließen die Restaurants schon sehr früh, egal ob man sich auf dem Land oder im Touristenviertel befindet. Immerhin konzentrierte sich nun jeder auf sein Essen, anstatt auf meine Laune. Das unangenehme Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen, wurde ich aber den restlichen Abend nicht los.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 24, 2019