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Was tun nach dem Abi?

Raus ins Grüne

Von Mitte Juni bis Anfang August blühen die Lavendelfelder in der französischen Provence. Da Nizza nur rund vier Stunden mit dem Zug von den Feldern entfernt liegt, musste ich diese Gelegenheit ausnutzen. So fuhr ich an meinen zwei freien Tagen in die kleine Stadt Digne-les-Bains mit dem Zug. Schon die Fahrt dorthin war sehenswert: Es ging vorbei an vielen kleinen Orten und beeindruckenden Felsen. Abends kam ich an – leider wusste ich nicht, dass man zu den Feldern nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen kann. Das wurde mir dann klar, als man mich in der Touristeninfo als Erstes nach einem Auto gefragt hat. Zwar habe ich einen Führerschein, darf aber mit 19 noch kein Auto mieten. Ich übernachtete eine Nacht in der Stadt, bevor am nächsten Tag meine Lavendelfeldtour losging. Mein Host empfahl mir, zu den Feldern zu trampen, da dies die einzige Möglichkeit sei. So bastelte ich mir ein Schild und wartete kaum fünf Minuten an der Straße, bis mich ein Auto mitnahm. Mit insgesamt drei Mitfahrgelegenheiten schaffte ich es in das Dorf Riez. Auf dem Weg dorthin lagen schon viele schöne Lavendelfelder. Ich hatte Glück und fuhr mit französischen Touristen mit, die mehrmals anhielten, um selbst Bilder zu machen. Auch von mir machten sie einige. So konnte ich mein Französisch ein weiteres Mal verbessern. Die einzige offene Frage blieb, wie ich wieder nach Nizza zurückkomme. Zuerst wollte ich versuchen in eine andere Stadt zu trampen, wo der Zug abfährt. Doch dann hielten zwei chinesische Touristen auf der Straße an und nahmen mich zu einem schönen Natursee mit. Es stellte sich heraus, dass sie auf dem Weg nach Nizza waren. So ein Zufall, dachte ich mir. Sie waren so nett und nahmen mich schließlich mit nach Hause.

Was tun nach dem Abi?

300 km/h

Nach viereinhalb Stunden Schlaf klingelte mein Wecker und ich schlich mich aus dem Hostel. An der Hauptstraße konnte ich mit etwas Glück ein Taxi ergattern. Am riesigen Bahnhof angekommen fand ich den Schalter für mein Ticket zu meiner großen Erleichterung ohne Schlange vor – ich war nämlich spät dran. Dann noch schnell durch die Sicherheitskontrolle und zum Bahnsteig, wo der Zug bereits stand. Zehn Minuten später und ich hätte ein großes Problem gehabt.
Der Zug nahm schnell Fahrt auf. Die nächste Stunde brauste ich mit 300 km/h durch die chinesische Walachei. Nur in größeren Städten hielt der Zug. Ich sah viele braune Hochhäuser, breite Straßen und industrielle Gelände – nach Hightech und architektonischer Meisterleistung sah das nicht gerade aus.
Nach einiger Zeit machte ich Bekanntschaft mit meiner Sitznachbarin, einer 23-jährigen Frau, die sich auf dem Weg nach Peking befand. Sie sprach tatsächlich ein paar Worte Englisch und bot mir etwas von ihrem Essen an, was mir sehr gelegen kam, da ich nur Kekse und trockene Instantnudeln aus Kathmandu bei mir hatte. Sie brachte mir ein paar chinesische Wörter bei, wobei mich die Aussprache vor größere Schwierigkeiten stellte.
Neuneinhalb Stunden und 2.000 Kilometer später stieg ich in der 11-Millionen-Metropole Shijiazhuang aus. Nun hieß es zweieinhalb Stunden auf den nächsten Zug warten. Um 22 Uhr kam ich schließlich in Dezhou – meinem Aufenthaltsort für die nächsten drei Wochen – an und wurde von Andy, einem Angestellten von meiner Praktikumsfirma „Hi-min“, in Empfang genommen. Wir rollten die restlichen Kilometer über breite, leere Straßen. Im Dunkeln sah ich bereits die ersten Umrisse vom „Solar Valley“, das ab morgen mein Arbeitsplatz sein würde.
Die Wohnung von Andy war nicht gerade gemütlich. Aber gut, damit kam ich erstmal klar. Andy teilt sich die Wohnung mit einem anderen Mitarbeiter. Immerhin hatten sie eine Waschmaschine, was schon mal ein großer Fortschritt war. Nach den vergangenen zwei kurzen Nächten war ich inzwischen hundemüde, und obwohl ich auf einer Holzpritsche lag, schlief ich sofort ein.

Was tun nach dem Abi?

Chinesischer Luxus

Kurz vor Mitternacht erreichte ich nach fünf Stunden Flug China. Genauer gesagt Kunming, eine Millionenstadt im Südwesten des Landes. Von dort sollte es weiter nach Dezhou gehen, wo ich ein dreiwöchiges Praktikum bei einer großen Solarfirma absolvieren durfte.
Der Flughafen in Kunming wirkte wie aus einer anderen Welt. Alles war sauber, modern und technologisch auf höchstem Niveau. Als ich aus dem riesigen Gebäude herauskam, herrschte kein Chaos und ich war auch nicht so überfordert wie bei meiner Ankunft in Nepal. Für die Fahrt in den Stadtkern wählte ich den öffentlichen Bus, der bequemer war als jedes Straßenfahrzeug in den vergangenen sieben Monaten – im Vergleich zu Nepal purer Luxus.
Am Straßenrand standen LED-Tafeln und mit blinkenden Lichtern verzierte Hochhäuser. In der Stadt teilte eine kleine Trennwand, die aussah wie ein süßer Gartenzaun, mittig die zwei Fahrbahnen voneinander. Dazu gab es eine separate Spur für Fahrräder, Roller und im Zweifel auch für Fußgänger.
Auf dem Weg vom Bus zum Hostel lief ich wie durch eine Geisterstadt. In den leeren Straßen trieben sich nur ein paar wenige Nachteulen auf ihren Rollern herum. Ansonsten gab es keine Anzeichen, dass hier sieben Millionen Menschen leben. Der Mann an der Rezeption sprach kein Wort Englisch und konnte mir auch nicht erklären, wie ich am nächsten Morgen am besten zum Bahnhof kam, der am anderen Ende der Stadt lag. Zum Glück war mein französischer Zimmergenosse noch wach und erklärte mir, dass ich wohl oder übel ein Taxi nehmen musste.
In der Nacht schlief ich nicht besonders gut. Aggressive Mücken summten konstant um mein Ohr herum und mir war heiß, weil ich die Decke bis zum Kopf zog, um die Viecher von meinem Körper fernzuhalten. So oder so stand mir eine kurze Nacht bevor, denn um 5.30 Uhr würde mein Wecker klingeln.

 

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 5, 2019