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Studieren im Ausland

Zu Gast

Meine Zeit am Europakolleg geht zu Ende und ein Gedanke drängt sich mir wieder auf: Ich habe mich hier die meiste Zeit nur als Gast gefühlt. Je nachdem, welchen Platz im Wohnheim man bekommt, verhindern schon die Zimmer mit ihrer Standard-Einrichtung und ungemütlichen Atmosphäre ein Wohlgefühl. Dazu kommen die strengen Regularien (es herrscht zum Beispiel ein offizielles Übernachtungsbesuchs-Verbot) und die Tatsache, dass man keine Möglichkeit zum Kochen hat. Somit habe ich dem Abschied mit gemischten Gefühlen entgegengeblickt: Traurig, dass ein Jahr zusammen mit jeder Menge internationaler Studierenden und spannenden Themen nun zu Ende geht. Aber ich freute mich auch darauf, wieder richtig in mein Leben einzusteigen: in eine neue Stadt zu ziehen mit der Aussicht, länger als nur zehn Monate dort zu bleiben; mit richtigen Hobbys; mit mehr Zeit für Engagement und mit mehr Einbindung in das heimische Leben.
Dann kam es, wie es kommen musste: Zwei Wochen vor Ende des Kollegs habe ich eine richtig nette Gruppe kennengelernt, mit der ich während des Jahres hier bestimmt viel Spaß hätte haben können, was bestimmt dazu geführt hätte, dass ich mich in Brügge mehr zu Hause fühle. Darunter waren einige Franzosen, mit denen ich mein Französisch hätte trainieren können. Manchmal stimmt einfach das Timing nicht. Zudem ist ein einjähriger Master einfach kurz. Man braucht in der Regel bestimmt fast ein Jahr, um sich irgendwo einzuleben, in einer Touristenstadt wie Brügge vielleicht sogar länger. Auch Freundschaften brauchen eine gewisse Zeit und Aussicht auf Fortbestand, um sich zu bilden und zu festigen, ebenso ging es mir mit Hobbys und sonstigem Engagement. Dafür hat man schon nach einem Jahr seinen Master in der Tasche. Und mal ganz ehrlich: Ich glaube, wenn ich dort mehr als zehn Monate verbracht hätte, wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen.
So endete meine Zeit dort dennoch mit einigen sehr schönen Erlebnissen und der Aussicht auf Freundschaften. Und eines weiß ich sicher: Sollte ich irgendwann mal nach Brüssel ziehen, werde ich bestimmt auf viele altbekannte und freundliche Gesichter treffen. Ich bin auch gespannt, ob ich jemanden aus meinem Jahrgang in ein paar Jahren im Fernsehen wiederentdecke – vielleicht Ministerpräsident oder EU-Kommissar?

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  11.07.2018

Studieren im Ausland

Belgien

Mein jüngster Ausflug führte mich von Prag aus in das Land mit den beleuchteten Autobahnen: nach Belgien. Mit der Freundin, die ich in Brüssel besuchte, reiste ich zunächst nach Mons. Die Stadt im Süden der Wallonie, nah an der Grenze zu Frankreich, war 2015 Europäische Kulturhauptstadt. Dies ist auch 2018 noch zu spüren. Nach einer Portion leckerer Fritten besuchten wir das Van-Gogh-Haus in einem kleinen Örtchen in der Nähe. Der Maler verbrachte hier ein knappes Jahr seines Lebens und ging unter anderem zu den umliegenden Gruben der Bergbauregion, was er auch in Bildern verarbeitete. Aber ob der Aufenthalt in der Region für van Gogh tatsächlich so prägend war, dass er hier mit dem Malen begann? Ich frage mich, ob das Museum hier nicht ein wenig übertreibt.
In Flandern begeisterte mich die Studentenstadt Gent mit ihrer Schönheit. Schon der Bahnhof, dessen Haupthalle bunt verziert ist und der von außen wie ein Schloss aussieht, lässt erahnen, was einen in der Innenstadt erwartet: Ein großartiges Gebäude reiht sich an das nächste. Die Stadt ist auch von Kanälen durchzogen. Obwohl Sonntag ist, herrschte ein reges Treiben – in Gent ist viel los!
Weiter ging’s nach Knogge: ein Kopfbahnhof, dann das Meer. Auf dem Weg zur Promenade überholte ein Sportwagen den anderen. Vom Strand aus kann man wenige hundert Meter östlich schon die Niederlande sehen.
Letzter Stopp: Brüssel, die geschäftige Hauptstadt. Auf dem Street-Food-Market tummeln sich allerlei Menschen. Brüssel hat einen hohen Ausländeranteil, nicht zuletzt deshalb, weil es das Zentrum der Europäischen Union ist. „Schön“ wirkt Brüssel auch bei meinem zweiten Besuch nicht, lebenswert hingegen schon.
Als ich zurück in den ICE stieg, den Bauch vollgeschlagen mit Fritten, war ich froh, einen weiteren spannenden Ort der Erde kennengelernt zu haben – aber auch froh, wieder in mein geliebtes Prag zurückzukehren.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  09.07.2018

Studieren im Ausland

Es riecht nach Abschied

Noch eine Woche bis zur Abschlussfeier. Das Thema Abschied begleitet mich überall. Schon vor Wochen kamen die ersten E-Mails mit Dingen, die wir für das Ende des Studienjahres berücksichtigen müssen, mit Informationen, letzten Umfragen zu den Kursen und dem Studienjahr. Einladungen zu Abschlusspartys häuften sich.
Insbesondere von der Verwaltung bekommt man klar vermittelt, dass unser Abschied keine Lücken hinterlassen wird: Auszug ist am Montag in einer Woche; spätestens um 10 Uhr morgens muss ich mein Zimmer geräumt haben – keine Zeit zum Ausschlafen, für ein Frühstück mit Freunden oder um ein letztes Mal sentimental durch Zimmer und Wohnheim zu schlendern. Auch die anderen E-Mails mit den Informationen, was wir noch alles erledigen müssen, sind nüchtern gehalten. Kein warmes Wort des Abschieds; kein Verständnis dafür, dass einigen diese Zeit des Abschieds vielleicht schwerfällt. Wobei, einigen fällt es anscheinend überhaupt nicht schwer, sie sind teilweise schon abgereist.
Wenn man Erzählungen vom College vor 30 Jahren mit unserer Situation heute vergleicht, habe ich schon etwas Wehmut à la „die guten alten Zeiten“: Damals waren es 80 Studierende, der Rektor saß inmitten seiner Schüler beim Abendessen und hat fleißig mitdiskutiert. Insgesamt schien in dieser kleineren Gruppe ein viel größerer Zusammenhalt und Austausch zu herrschen. Das ist zwar nicht völlig verloren gegangen, aber ich habe das Gefühl, dass auch das Europakolleg unter Rationalisierung und den Zwängen des Kapitalismus gelitten hat. Es wirkt auf mich manchmal wie ein Durchschleusen von Studierenden zu kommerziellen Zwecken. Wie viele sind tatsächlich noch aus idealistischen Gründen hier und wie viele nur, um Karriere bei der EU zu machen? Zwar kann man sich mit vielen gut unterhalten, aber nur über gesellschaftliche, politische Themen. Philosophische, moralische oder persönliche Unterhaltungen hatte ich weniger als erhofft.
Klar, es liegt immer an jedem Jahrgang, etwas aus der Zeit am College zu machen. Aber durch die steigende Zahl an Studierenden und der Sachlichkeit der Verwaltung glaube ich, dass einiges an Atmosphäre und Potenzial des Colleges im Laufe der Jahre abhandengekommen ist.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  06.07.2018