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Studieren im Ausland

Umbruch

Nun ist mein Jahr am Europakolleg vorbei, und ich befinde mich in einer totalen Umbruchsstimmung. „Wo gehen wir hin? Wo kommen wir her? Was ist der Sinn? Ist da noch mehr?“

Zwar habe ich mit meinem im Herbst beginnenden Rechtsreferendariat schon die Weichen für den nächsten Schritt gestellt, trotzdem stelle ich mir gerade ein paar grundlegende Fragen. Die für mich wichtigste: Was treibt mich in meinem Leben an? Die Antwort darauf habe ich bereits gefunden: der Kampf gegen strukturelle Ungerechtigkeit. Ein Kampf, mit dem man zwar nicht viel Geld verdienen kann, der mich aber bestimmt jeden Morgen an meinem Schreibtisch (oder wo auch immer) antreiben wird.

Aber wie kommt man da hin? In welchem Beruf bewegt man wirklich etwas? Im Ministerium? In einer NGO? In einer Politikberatung? Auch wenn ich von meiner Zeit am Europakolleg nicht nur begeistert war, wurde mein Denken angeregt. Ich habe viel gelernt und mich mit Themen beschäftigt, die mich bewegen. So stehe ich kurz nach dem Ende des Masters voller Tatendrang und mit den Hufen scharrend am Anfang meiner nächsten Etappe, weiß aber noch nicht, wohin ich rennen soll – und ob diese Energie nicht bald verfliegt.

Durch meinen Kopf rasen Erinnerungen, Ideen, Wünsche, Hoffnungen, aber auch Sorgen über die Zukunft. Was wird aus Deutschland, was wird aus der Welt? Werde ich auch in der Zukunft noch so relativ unbesorgt leben können wie jetzt? Die Liste ist lang: Migration, Klimawandel, die wachsende Armut im wachsenden Afrika, und auch in Deutschland wird die soziale Ungerechtigkeit größer, während der Populismus um sich greift.

In was für einer Welt will ich leben? Was für ein Mensch will ich sein? Was für eine Zukunft möchte ich haben? Und wie erreiche ich meine Ziele? Damit kann ich mich in den freien Sommermonaten beschäftigen …

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  18.07.2018

Studieren im Ausland

Und wenn du mich küsst, ...

Von Bach bis Kraftklub, auf einer Brücke über die Moldau und an den beiden Ufern: Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds hat in Prag sein 20-jähriges Bestehen mit einem phänomenalen deutsch-tschechischen Nachbarschaftsfest gefeiert.
Der Zukunftsfonds wurde 1998 gegründet, hat seitdem über 10.000 bilaterale Projekte gefördert und ist zu einer wichtigen Institution in der Zusammenarbeit der beiden Länder geworden. Er hat nicht nur die Begegnung von 400.000 Kindern und Jugendlichen aus beiden Ländern ermöglicht, sondern auch die Restaurierung von mehr als 200 Kirchen und Friedhöfen unterstützt und 7.000 NS-Opfer entschädigt.
Und welch eine bessere Möglichkeit kann es geben, so ein Jubiläum zu feiern, als mit einem Fest für alle? Viele der deutsch-tschechischen Institutionen, die die Zusammenarbeit der beiden Länder aktiv gestalten, waren mit einem Stand vertreten – so auch das Deutsch-tschechische Jugendforum, in dem ich aktiv bin.
Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir die Fragen vieler interessierter Menschen beantworten. Doch wir fragten auch selbst, denn das Oberthema unserer aktuellen Amtszeit lautet: „Welche Zukunft (er) schaffen wir?“ Ihre Gedanken konnten die Festbesucher auf eine Ideenwand pinnen. Da kamen spannende Gedanken zusammen.
Das Nachbarschaftsfest bot viele Möglichkeiten zum Austausch und Wiedersehen mit bekannten Gesichtern. Außerdem gab es Theateraufführungen, eine Diskussionsstraßenbahn, ein buntes Kinderprogramm, Speis und Trank und einen Straßenfrisör, den man mit Geschichten bezahlen konnte.
Der Abend schloss mit einem Highlight: Nach einigen anderen Bands betraten die Jungs von Kraftklub aus Chemnitz die Bühne auf der Brücke. „Und wenn du mich küsst, dann ist die Welt ein bisschen weniger scheiße“, „Ich will nicht nach Berlin“ oder „Eeeh, ich komm aus Karl-Marx-Stadt“: Tschechen und Deutsche feierten gemeinsam, tanzten, gingen ab. Was für ein Konzert! Was für ein Fest! Dieser Tag wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben!

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  16.07.2018

Studieren im Ausland

Zu Gast

Meine Zeit am Europakolleg geht zu Ende und ein Gedanke drängt sich mir wieder auf: Ich habe mich hier die meiste Zeit nur als Gast gefühlt. Je nachdem, welchen Platz im Wohnheim man bekommt, verhindern schon die Zimmer mit ihrer Standard-Einrichtung und ungemütlichen Atmosphäre ein Wohlgefühl. Dazu kommen die strengen Regularien (es herrscht zum Beispiel ein offizielles Übernachtungsbesuchs-Verbot) und die Tatsache, dass man keine Möglichkeit zum Kochen hat. Somit habe ich dem Abschied mit gemischten Gefühlen entgegengeblickt: Traurig, dass ein Jahr zusammen mit jeder Menge internationaler Studierenden und spannenden Themen nun zu Ende geht. Aber ich freute mich auch darauf, wieder richtig in mein Leben einzusteigen: in eine neue Stadt zu ziehen mit der Aussicht, länger als nur zehn Monate dort zu bleiben; mit richtigen Hobbys; mit mehr Zeit für Engagement und mit mehr Einbindung in das heimische Leben.
Dann kam es, wie es kommen musste: Zwei Wochen vor Ende des Kollegs habe ich eine richtig nette Gruppe kennengelernt, mit der ich während des Jahres hier bestimmt viel Spaß hätte haben können, was bestimmt dazu geführt hätte, dass ich mich in Brügge mehr zu Hause fühle. Darunter waren einige Franzosen, mit denen ich mein Französisch hätte trainieren können. Manchmal stimmt einfach das Timing nicht. Zudem ist ein einjähriger Master einfach kurz. Man braucht in der Regel bestimmt fast ein Jahr, um sich irgendwo einzuleben, in einer Touristenstadt wie Brügge vielleicht sogar länger. Auch Freundschaften brauchen eine gewisse Zeit und Aussicht auf Fortbestand, um sich zu bilden und zu festigen, ebenso ging es mir mit Hobbys und sonstigem Engagement. Dafür hat man schon nach einem Jahr seinen Master in der Tasche. Und mal ganz ehrlich: Ich glaube, wenn ich dort mehr als zehn Monate verbracht hätte, wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen.
So endete meine Zeit dort dennoch mit einigen sehr schönen Erlebnissen und der Aussicht auf Freundschaften. Und eines weiß ich sicher: Sollte ich irgendwann mal nach Brüssel ziehen, werde ich bestimmt auf viele altbekannte und freundliche Gesichter treffen. Ich bin auch gespannt, ob ich jemanden aus meinem Jahrgang in ein paar Jahren im Fernsehen wiederentdecke – vielleicht Ministerpräsident oder EU-Kommissar?

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  11.07.2018