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Die Lehrer von morgen

Was mache ich eigentlich im Referendariat?

Innerhalb meines Referendariats befinde ich mich aktuell im ersten Ausbildungsabschnitt von dreien. In dieser Zeit sollen wir insgesamt 14 Stunden pro Woche an der Schule sein. In wie vielen Stunden wir selbst den Unterricht übernehmen und in welchen wir nur hospitieren, ist nicht vorgegeben und kann mit der Mentorin flexibel abgesprochen werden. Bei mir sind es aktuell drei Doppelstunden pro Woche, in denen ich selbst den Unterricht gestalte. Von diesen 14 Stunden dürfen wir auch drei bis fünf pro Woche in den Außendiensten hospitieren. Das sind zum Beispiel Kindergärten, in denen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Rahmen der Frühförderung unterstützt werden.

Wenn ich unterrichte, sitzt momentan immer meine Mentorin hinten mit drin. Manchmal geht sie auch etwas erledigen und ist für ein paar Minuten weg. Am Ende des ersten Ausbildungsabschnitts (im Juli) wird in einem Ausbildungsgespräch mit dem Schulleiter, meiner Mentorin und meiner Ausbilderin entschieden, ob ich nach den Sommerferien sechs Stunden in der Woche eigenständigen Unterricht halten darf, bei dem dann niemand mehr dabei ist. Ab dann kann ich auch für Vertretungsstunden, Pausenaufsichten etc. eingeteilt werden.

Meine 14 Stunden Schule habe ich auf drei Tage verteilt: Montag, Donnerstag und Freitag. Die Schule geht an diesen Tagen von 7.40 bis 12 Uhr. Am Dienstag habe ich von 9 bis 12.30 Uhr Seminar in Stuttgart. Dort frühstücken wir gemeinsam, reflektieren unsere letzte Woche, besprechen aktuelle Themen und bekommen einen Input, zum Beispiel zum Thema „Wie schreibe ich einen ausführlichen Unterrichtsentwurf?“. Mittwoch ist mein freier Tag, an dem nachmittags manchmal Konferenzen oder andere Veranstaltungen der Schule stattfinden. Am Donnerstag habe ich nach der Schule eine feste Besprechungszeit mit meiner Mentorin. Dort reflektieren wir meine gehaltenen Unterrichtsstunden und alles, was sonst so ansteht, und planen die weiteren Einheiten. Freitags treffe ich mich alle zwei Wochen für eine halbe Stunde mit dem Schulleiter und er unterrichtet mich im Bereich Schulkunde. Zusätzlich habe ich im ersten Ausbildungsabschnitt zwei Seminare wählen müssen. Meine Seminare sind zum Thema Elterngespräche und zum Thema Diagnostik und finden beide einmalig am Wochenende statt, jeweils Freitagnachmittag und Samstag ganztägig. Neben diesen ganzen Präsenzverpflichtungen muss ich natürlich zu Hause dafür sorgen, dass ich meinen Unterricht rechtzeitig vorbereite.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Apr 10, 2019

Die Lehrer von morgen

Das psychologische Gutachten

Im späteren Berufsalltag ist es für einen Sonderpädagogen obligatorisch, Schülerinnen und Schüler mit normierten Verfahren zu testen. Mit diesen Ergebnissen können weitere Diagnosen oder Therapieziele aufgestellt werden. Die Resultate werden dann in einem psychologischen Gutachten für das jeweilige Kind festgehalten.
Um auf diese Aufgabe vorbereitet zu werden, sollte jeder Student in den Semesterferien ein solches Gutachten erstellen. Hierzu arbeitete ich in einer Dreiergruppe. Wir mussten uns ein Kind aussuchen, bei dem ein sprachheilpädagogischer Förderbedarf besteht. Da eine Kommilitonin von mir regelmäßig Nachhilfe bei einem Kind mit Hörgerät gibt, mussten wir nicht lange suchen. Das Mädchen willigte ein, sich von uns testen zu lassen, auch die Erziehungsberechtigten gaben ihre Erlaubnis.
Unsere Forschungsfrage war, ob die Probandin aufgrund des Hörgeräts Probleme beim Lesen und mit der Rechtschreibung hat. Wir führten hierzu zwei Tests durch, einen Intelligenztest und einen, der die phonologische Bewusstheit testet.
Am ersten Tag testeten wir die Intelligenz, da dieser Test zeitlich aufwendiger ist. Ich las die Instruktionen vor, eine Kommilitonin stoppte die Zeit und eine weitere protokollierte alles. Am selben Tag werteten wir den Test aus, was nochmals viel Zeit in Anspruch nahm.
Am nächsten Morgen führten wir den Test zur phonologischen Bewusstheit durch. Dieser war in seiner Durchführung und Auswertung schnell abgehandelt.
Durch diese Tests konnten wir unsere Fragestellung beantworten: Die Probandin zeigte aufgrund des Hörgeräts keine Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.
Der folgende Schritt wird die Gutachtenerstellung sein, bei der wir unsere Ergebnisse schriftlich festhalten. Zudem müssen eine Anamnese, also die Vorgeschichte der Krankheit, und eine kleine Biografie der Probandin erstellt werden.
Eigentlich hatte ich keine Lust auf die Gutachtenerstellung gehabt. Doch letztlich machte mir das Testen und das Festhalten der Ergebnisse unheimlich viel Spaß.

Autor: Eva  |  Rubrik: studium  |  Apr 1, 2019
Autor: Eva
Rubrik: studium
Apr 1, 2019

Die Lehrer von morgen

Und, was machst du nach dem Lehramtsstudium?

Diese Frage vermutet man wohl eher in Studiengängen, die ein weniger klares Berufsziel haben. In den ersten Semestern fragte man uns so etwas tatsächlich nicht, wir wollten Lehrerinnen und Lehrer werden – das lag doch auf der Hand. Mit jedem Semester veränderte sich das aber und die Dinge waren weniger klar. Jeder hatte von Zeit zu Zeit Zweifel– am deutschen Schulsystem, an der möglichen Rolle der Sonderpädagogen und nicht zuletzt an sich selbst. Bringe ich wirklich die emotionale Stabilität mit, in einem Beruf mit solch hoher Burnout-Rate zu arbeiten? Nach und nach schlugen Kommilitonen andere Wege ein. Eine Freundin von mir brach das Studium komplett ab. Andere machten es zu Ende, verschoben aber das Referendariat. Manche wollen zunächst mehr Zeit für sich haben, um sich besser auf diesen Abschnitt vorbereiten zu können. Andere können sich eigentlich gar nicht mehr vorstellen, jemals in der Schule zu arbeiten und haben das Studium nur abgeschlossen, um etwas vorweisen zu können.

Auch ich selbst bin davon betroffen. Ich habe mich zwar für das Referendariat entschieden, aber nicht mit ganzem Herzen. Ich mache es, weil es mir vernünftig schien. Wenn ich es einmal geschafft habe, werde ich immer darauf zurückgreifen können. Im Moment kann ich mir aber gut vorstellen, dass es mich in eine andere Richtung verschlägt – vielleicht in die wissenschaftliche. Dafür wäre das abgeschlossene Zweite Staatsexamen von Nutzen. Manchmal frage ich mich allerdings, ob es überhaupt möglich ist, das Referendariat gut zu überstehen, wenn ich noch kein Ziel klar vor Augen habe.

 Aber alles hat bereits seinen Lauf genommen, ich gewöhne mich langsam an die Strukturen und werde mein Bestes geben. Es wird ein langer und anstrengender Weg. Aber wenn ich es in eineinhalb Jahren geschafft haben sollte, dann werde ich unheimlich stolz auf mich sein.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Mar 29, 2019