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Die Juristen von morgen

Klassenfahrt

Das letzte Klassenfahrt-Gefühl hatte ich auf dem Ausflug nach Straßburg mit dem Europakolleg. In riesigen Reisebussen sind wir mit dem gesamten politikwissenschaftlichen Masterstudiengang aufgebrochen, um unterschiedliche europäische Institutionen zu besuchen. Ich hätte gedacht, dass auch bei der AG-Fahrt nach Budapest dieses Jahr diese nostalgische Erinnerung an die Schulzeit wieder hochkommen würde. Aber ich fürchte, die Zeit der jugendlichen Unbeschwertheit ist endgültig vorbei.
Das liegt vor allem daran, dass wir diese Reise selbst organisiert haben. So erfolgte beispielsweise die Anreise vollkommen unterschiedlich: ein paar kamen mit dem Nachtzug, die meisten reisten mit dem Flugzeug an. Also keine gemeinsame Busreise mit den „coolen Kids“ in der letzten Reihe! Auch haben wir nicht in einer Jugendherberge übernachtet, sondern in Appartements. Und Aufsichtspersonen waren weit und breit keine zu sehen.
Spannend war der Ausflug auf jeden Fall. Die Vorgabe des immer strenger werdenden Berliner Kammergerichts für die AG-Fahrt waren fünf Stunden juristisches Programm am Tag. Und so hetzten wir an den ersten beiden Tagen in der ungarischen Hitze von Termin zu Termin. Doch anders hätten wir nie so intensive Einblicke in die Stadt und das Land gehabt: Besonders der Besuch zweier NGO‘s gab uns Einblick in die aktuelle politische Lage. Und der Besuch im Holocaust-Museum mit Führung führte uns vor Augen, dass Ungarn ähnlich viele Regimewechsel hinter sich hatte, wie Deutschland. Hier konnte ich einige Parallelen ziehen zu den Geschichtstagen, die wir regelmäßig in unseren Einführungslehrgängen haben. Und abgesehen vom inhaltlichen Programm war der Ausflug eine perfekte Gelegenheit, um die anderen Referendare der Arbeitsgemeinschaft, mit denen man manchmal nicht so viel zu tun hat, näher kennenzulernen. Ein Erlebnis, das zusammenschweißt.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jul 8, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jul 8, 2019

Die Juristen von morgen

Vorbei

Und schon wieder ist die nächste Station vorbei. Wie die Zeit fliegt! Und tatsächlich hat sich das bewahrheitet, was unser AG-Leiter ganz zu Beginn der Station prophezeit hat: Dass es eine spannende Zeit wird. Was ich nicht alles erlebt habe: ein Besuch bei einem Gefängnis und beim Landeskriminalamt, eine Obduktion, eine Fahrt mit der Polizei, eine Hospitation beim Ermittlungsrichter, einige Sitzungen, die ich entweder selbst besucht oder als Vertreterin der Staatsanwaltschaft übernommen habe. Dazu kommen die ganzen Erzählungen aus der Praxis. Vieles von dem, was insbesondere unser AG-Leiter über Tötungsdelikte und Delikte aus der organisierten Kriminalität erzählt hat, kann ich immer noch nicht fassen. Man kennt das zwar alles aus Film und Fernsehen, aber dass es sich hierbei um Realität handelt, ist schwer greifbar. Zum Beispiel, dass eine Gruppe Jugendliche eine Frau aus reiner Mordlust umgebracht hat oder die Tötung einer Familienmutter vom eigenen Ehemann – Fälle, die uns unser AG-Leiter aus seiner Erfahrung als Staatsanwalt in der Abteilung für Kapital-, also Tötungsdelikte erzählt hat. Mir fällt schon auf, dass ich wachsamer durch die Straßen laufe als zuvor.
Der fulminante Abschluss der Station folgt dann nächste Woche mit unserer AG-Fahrt nach Budapest. Ein bisschen traurig bin ich schon, dass diese spannende Station zu Ende geht. Hier gäbe es noch so viel mehr zu sehen! Aber ich freue mich auch schon auf das, was vor mir liegt: Zuerst die Station beim Bundeswirtschaftsministerium und dann bei einem renommierten Anwalt für Verwaltungsrecht.

Autor: Luisa  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Jun 26, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: beruf & karriere
Jun 26, 2019

Die Juristen von morgen

Verantwortung

Bisher fühle ich mich im Referendariat noch eher wie im Studium, auch wenn ich inzwischen praktisch arbeite. Was mir im Vergleich zum Arbeitsleben fehlt: Verantwortung übernehmen. Zwar muss ich jetzt schon Entscheidungen treffen und Urteile oder Anklagen verfassen, aber in 99 Prozent der Fälle guckt mein Betreuer nochmal über das, was ich da so fabriziert habe. Wie der Jurist sagen würde – „unmittelbare Außenwirkung“ hat mein Handeln daher noch nicht. Anders ist das in der Strafstation bei der Staatsanwaltschaft: Hier werden die Referendare ins kalte Wasser geworfen, indem sie bei Gerichtsverhandlungen die Staatsanwaltschaft vertreten. Als „vollwertiger“ Staatsanwalt sitzt man neben dem Richter und darf in gewissem Rahmen entscheiden, was man am Ende beantragt. Dementsprechend eilt den Roben, die man sich für die Sitzungsvertretung ausleihen darf, auch der Ruf nach einem ätzenden Angstschweiß-Geruch voraus.
Auch ich bin in den Wochen der Sitzungsvertretung immer leicht angespannt. Denn ich will der Aufgabe und insbesondere dem Angeklagten sowie den Geschädigten gerecht werden. Bloß nicht zu wenig Strafe, aber auch nicht zu viel beantragen. Auf keinen Fall will ich mich blamieren. Das ist besonders beim Plädoyer die große Herausforderung, wenn man nach teilweise stundenlanger Verhandlung die Zeugenaussagen und andere Beweise würdigen, strafrechtlich subsumieren und dann schlussendlich ein konkretes Strafmaß beantragen muss.
Ein Teil aller Verhandlungen findet übrigens gar nicht oder nicht wie geplant statt, weil Angeklagte oder Zeugen nicht erscheinen. Und für den Teil, der doch stattfindet, muss man flexibel sein. Denn in den seltensten Fällen ergibt sich der Fall vor Gericht so, wie er in der Anklage beschrieben ist. Ich hatte in meiner Station verhältnismäßig wenig Sitzungstermine, doch trotzdem fühlte ich mich am Ende einigermaßen souverän. Man übt, souverän aufzutreten, flexibel auf Situationen zu reagieren und frei zu sprechen. Und wieder mal bietet dieser Teil der Ausbildung viel Stoff zum Erzählen. Von der eigenen Überforderung, von dreisten Verteidigern und von Angeklagten, die im Sitzungssaal ausrasten oder wie auf einem Markt um ihre Strafe feilschen.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jun 19, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jun 19, 2019

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