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Bachelor live

Besser spät als nie

Es gibt einige Dinge, die ich eigentlich gerne tun oder können würde. „Eigentlich“ deshalb, weil mir oft der letzte Rest Motivation fehlt, um es anzupacken. Beispielsweise würde ich schon seit Monaten gerne die Wände meines WG-Zimmers streichen, da mir die jetzige Farbe nicht mehr gefällt. Bisher habe ich es aber immer aufgeschoben – entweder, weil mir das ganze Equipment dafür zu teuer, oder ich zeitlich zu eingespannt war. Von alleine wird die Wandfarbe natürlich nicht schöner, weswegen ich mich letztendlich wohl mit ihr abfinden muss.
Das Gleiche gilt fürs Gitarre spielen. Seit Jahren würde ich gerne Gitarre lernen, habe dieses Ziel aber nie wirklich verfolgt. Zwar habe ich mir vor ein paar Jahren mal die Gitarre einer Freundin geliehen und wollte mir mithilfe von YouTube-Videos ein paar Akkorde selbst beibringen, habe aber viel zu schnell wieder aufgegeben. Für richtige Gitarrenstunden war ich immer zu beschäftigt, entweder mit dem Abitur, Auslandsaufenthalten, meinem FSJ oder eben mit dem Studium. Kurzzeitig habe ich sogar gedacht, dass ich mittlerweile sicher zu alt bin, um ein Instrument zu lernen, was natürlich Quatsch ist. Also konnte ich nur bewundernd zuhören, wenn jemand Gitarre spielte – und mich ärgern, dass ich nicht mitspielen konnte.
Da ich dieses Semester zeitlich nicht allzu sehr eingespannt bin und ich dank meines
Nebenjobs auch finanziell in der Lage bin, mir Gitarrenstunden zu leisten, habe ich
keine Ausrede mehr. In einem Anflug von Tatendrang habe ich mich also umgehört und viel leichter als gedacht auch einen Gitarrenlehrer gefunden, der mir einmal die Woche Gitarrenunterricht gibt. Bisher hatte ich zwar noch nicht viele Stunden und stehe somit noch ganz am Anfang, aber ich bin motiviert, übe viel und habe Spaß an der Sache. Es ist auf jeden Fall ein sehr schönes Gefühl, mir selbst endlich diesen Wunsch zu erfüllen. Und eventuell schaffe ich es in nächster Zeit ja auch noch, die Wände meines WG-Zimmers zu streichen!

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  07.12.2017

Bachelor live

Auslandsüberlegungen

Ab dem Beginn des Studiums wurde an meiner Universität für einen Auslandsaufenthalt geworben. Auslandssemester auf dem europäischen Kontinent können mithilfe des Erasmus+-Programms finanziert und organisiert werden. Weiter weg kann man durch Universitätspartnerschaften. Jedes Institut hat eigene Erasmus-Plätze und jeder Studierende der Universität kann sich auf den Pool der Plätze der Unipartnerschaften bewerben.
Ich habe im zweiten Semester angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen, obwohl ich erst im fünften Semester ins Ausland möchte. Das mag sehr früh wirken, aber ich muss mich ja bereits ein Jahr vor dem Austausch bewerben muss und dafür ist ganz schön viel zu tun. Auch habe ich erst einmal herausfinden wollen, wohin ich überhaupt will und ob ich die geforderten Anforderungen erfülle. So hätte ich im Zweifelsfall auch noch Zeit für Intensiv-Sprachkurse gehabt, um das geforderte Sprachniveau zu erreichen. Zusätzlich fallen „kleinere“ Angelegenheiten an, zum Beispiel zwei Hochschullehrergutachten. Einige von euch haben vielleicht schon mit Dozenten Mail-Kontakt gehabt und wissen daher, dass sich die Kommunikation sehr ziehen kann. Es schien mir daher sinnvoll, die betreffenden Hochschullehrer einen bis anderthalb Monate vor Abgabeschluss um ein solches Gutachten zu bitten. Doch: Nur weil man danach fragt, bedeutet das lange noch nicht, dass auch ein Gutachten ausgestellt wird. Ich habe mir deshalb Alternativen überlegt und immer wieder nachgehakt.
Entschieden habe ich mich nun für ein Auslandssemester in Seoul, Südkoreas Hauptstadt, und mir davor viele Gedanken gemacht: Was will ich von einem Auslandssemester mitnehmen? Worauf kann ich nicht verzichten und wo kann ich Abstriche machen? Wo kann ich mich akademisch und persönlich am besten weiter entwickeln? Die Wahl für Südkorea war keine offensichtliche für mich. Ich spreche zwar ganz ordentlich koreanisch, habe jedoch insgesamt in meinem Leben vielleicht vier Monate dort verbracht. Südkorea ist nicht meine Heimat, wenn auch mein kultureller Hintergrund. Letztendlich haben mich mehrere Aspekte völlig begeistert von der Idee: Neben einer tollen Uni mit einem großartigen Angebot an Kursen kann ich meine Sprachkenntnisse verbessern und das Land meiner Eltern intensiver kennen lernen. Ich hoffe sehr, dass es klappt. Und falls nicht, werde ich mich wohl über Erasmus+ auf einen nicht ganz so fernen Ort bewerben. Wünscht mir Glück!

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  07.12.2017

Bachelor live

Wenn Gäste kommen

Wie geht ihr damit um, wenn Besuch kommt? Die Frage habe ich mir immer wieder gestellt, als ich an einem Workcamp in einem Vorort der südafrikanischen Millionenstadt Kapstadt teilgenommen habe. Wie würde die Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, damit umgehen, wäre eine Gruppe südafrikanischer Jugendliche bei der lokalen Kirche zu Besuch?
In Südafrika jedenfalls war ich überwältigt von all der Gastfreundlichkeit. Während meines mehrstündigen Flugs konnte ich kaum glauben, dass dort am anderen Ende der Welt tatsächlich Menschen auf mich warteten, mich am Flughafen auf die Rückbank ihres Autos klettern lassen und mich zu meinem Zuhause für die nächsten drei Wochen fahren würden. Als alle Freiwilligen dort ankamen, wurde bereits gegrillt, unsere Gastgeber hatten Betten in das sonst leere Haus neben der Kirche geschoben und unsere sonst ebenso leere Küche mit ihren Kochutensilien gefüllt. Über die nächsten Wochen wurden wir unzählige Male zum Essen eingeladen. Während wir uns fragten, wie wir nach einer solchen Einladung höflich anbringen konnten, dass wir weder mit einem Auto noch den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihnen kommen konnten, war für die Familien längst klar: Jemand von ihnen holt uns mit dem Auto ab.
Als wir vier Wochen später zurück zum Flughafen fuhren, sagten wir allen Liebgewonnenen, dass sie uns unbedingt besuchen müssen. Die südafrikanische Lehrerin und unsere Fahrerin lachte und sagte: „Dann müsst ihr aber für mich kochen, denn wenn ich ein Ticket nach Deutschland kaufe, habe ich sonst kein Geld mehr.“ Das war ein recht seltsamer Moment für uns.
Seltsam war es auch zuvor bei besagten Essenseinladungen, dass sich die gastgebende Familie nicht zu uns setzte. In Deutschland ist das Essen oft Nebensache, es geht um die Gespräche, um das Drumherum. Während meines Freiwilligendienstes in Spanien habe ich erlebt, dass das Essen dort einen ganz anderen Stellenwert hat und es viel mehr als kleine Feier betrachtet wurde. Auch in Südafrika schien das so, aber eher in dem Sinne, dass die Gastgeber meist nicht aßen, bevor die Gäste satt geworden waren. Umgekehrt mussten wir jeglichem Besuch, den wir in unserem kleinen Häuschen empfangen, den Teller mit Essen in die Hand drücken, statt zu fragen, ob sie etwas mitessen wollten – denn egal, wann sie das letzte Mal an dem Tag gegessen hatten, sie hätten die Frage aus lauter Gastfreundlichkeit sowieso verneint.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  06.12.2017
Autor: Marie
Rubrik: studium
06.12.2017