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Bachelor live

Vienne calling I

„Hello, Vienna calling“, sang schon Falco. Ich folgte seinem Ruf und machte mich auf in die großartige Stadt an der Donau. Manchmal bekommt man hier das Gefühl, die Einwohner würden allesamt in Palästen wohnen, immer Hüte tragen und tatsächlich den Fiaker, also die Kutsche, nutzen, um von A nach B zu gelangen.
In Wien ist kulturell viel geboten. Eine Fotoausstellung zeigt die Entwicklung Wiens der vergangenen 40 Jahre in Pressefotografien. Spannend, dass da keine „Wende“ vorkommt. Das Volxkino lädt den ganzen Sommer über zu kostenlosen Open-Air-Filmvorführungen an verstecken Orten ein. Das mumok ist einer der pompösen Bauten im Museumsquartier, ein Tempel für moderne Kunst. Die Ausstellung zur feministischen Avantgarde der 70er-Jahre ist sehr interessant, schön sind die Exponate jedoch nicht. In einem Raum läuft ein dreizehneinhalbstündiges Video, das einen Plattenspieler beim Spielen grandioser Songs zeigt. Aber so lang hält man es nicht aus, auf den gefühlten 70 Stockwerken voller Input.
An anderen Ecken ist Wien wunderbar bodenständig und authentisch. Und jene Orte sind es dann auch, die im Kopf bleiben. In Danas Imbiss, einem kleinen Wohnwagen, gibt es Schnitzel und Pommes für 3,20 Euro. Hier sitzt die Nachbarschaft beisammen. Am Nebentisch unterhalten sich die tschechischen Bauarbeiter und trinken ihr Feierabendgetränk. Tschechische Nachnamen liest man noch heute überall in der Stadt, man hört reichlich slawische Sprachen in den Straßen, die Geschichte Tschechiens, das ja bis 1918 Teil Österreich-Ungarns war – man spürt sie noch heute. In Danas Imbiss trinkt man Bier oder einen „G’spritzten“. Letzteres ist das Sommergetränk der Österreicher, Wein mit Soda. Je nach Wahl gibt es ihn mit Rot- oder Weißwein, serviert wird er in 0,25-Liter-Henkelgläsern, ungefähr wie ein kleines Bierglas – und das heißt hier „Seidel“.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  16.08.2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
16.08.2017

Bachelor live

Der Masterplan

Vor Kurzem fand mein Kennlernwochenende vom College of Europe in Berlin statt. Am Anfang war es wie jedes Mal bei solch einer Veranstaltung: Man führt ein bisschen Smalltalk, fühlt sich etwas fehl am Platz und fragt sich, was der eine oder andere Vortrag eigentlich soll. An diesen eineinhalb Kennlerntagen erzählten Alumni von ihrer Arbeit. Außerdem durfte ich bei einem Botschaftsempfang bei Pommes und Leffe-Bier mit dem belgischen Botschafter über den Zusammenhalt in Europa und der Welt diskutieren.
Nach und nach kristallisierten sich an diesen Tagen die Grüppchen heraus, die sich besonders gut verstanden, und schon bald hatte ich das Gefühl, meine „neuen Mädels“ und auch sonst viele nette Leute kennengelernt zu haben. Und anders, als es der Ruf des Colleges vermuten lässt, nicht nur Studierende, die unbedingt Karriere machen wollen, sondern auch solche, die Neues erleben und über den Tellerrand schauen möchten.
Die Alumni haben uns vor Augen geführt, welche Bandbreite das Leben hat. Von der alle Vorurteile erfüllenden Finanzministeriumsbeamtin über den Angestellten beim Auswärtigen Amt, der am Thema „Brexit“ mitwirkt, bis hin zum OSZE-Mitarbeiter, der in der Ukraine den Durchmesser von Bombenkratern ausgemessen hat, war wirklich alles dabei. Als beruhigend empfand ich zum einen den Absolventen des Jahrgangs 1975, der ebenso wie ich erst Jura studiert, am College die Politik-Option gewählt und sich dann ziemlich gut in der (Arbeits-)Welt zurechtgefunden hat. Zum anderen gefiel mir die Aussage eines weiteren Alumni, dass die Note nicht so wichtig sei, denn die Lerninhalte hätte man nach 20 Jahren vergessen – das Gefühl, das aus Brügge zurückbleibt, und die Diskussionen, die man dort führte, jedoch nie. Er regte an, querzudenken und gegen den Strom zu schwimmen.
Und das habe ich mir ganz fest vorgenommen: Mich nicht in der (Lern-)Mühle fangen zu lassen, sondern das Lebensgefühl in Brügge mitzunehmen und von dem zu profitieren, was das College ausmacht: Die Menschen. Und noch eine Gewissheit habe ich: Es gibt keinen Masterplan für das Leben. Es wird immer unvorhergesehene Ereignisse wie den Brexit geben. Es wird Türen geben, die sich schließen und welche, die sich öffnen. Man muss einfach neugierig, hartnäckig und mutig bleiben.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  14.08.2017

Bachelor live

Seminarleitung

Seit dem Abitur war ich auf vielen Seminaren, etwa dem Vorbereitungsseminar für meinen Auslandsaufenthalt, dem Zwischenseminar, dem nach der Heimkehr, deutsch-tschechischen Begegnungen oder auch Theaterworkshops. Neulich sollte ich nun zum ersten Mal selbst ein Seminar leiten. Die Organisation, mit der ich einst in Tschechien war, suchte jemanden, der den zukünftigen Freiwilligen die tschechische Landeskunde näherbringen kann. So verschlug es mich ins ferne Wiesbaden.
Das Vorbereitungsseminar war bereits in vollem Gange, als ich eintraf. 80 junge Menschen auf einem zehntägigen Seminar – eine Mordsorganisation. 26 von ihnen werden nach Indien gehen, 20 nach Australien und zwölf in europäische Länder. Zwei der letzteren Gruppe haben Tschechien zum Ziel und für diese bin ich zuständig. Doch die eine hatte Abiball und nur der andere war da.
Am nächsten Morgen um 9 Uhr ging es los. Ich war gut vorbereitet und begann mit einem „Vorurteilscheck“: Tschechen trinken viel Bier? Stimmt! Tschechien ist Osteuropa? Quatsch! Ich brachte meinem Freiwilligen Wissenswertes über die Politik und die Gesellschaft näher und erzählte vom Leben in Tschechien. Und natürlich bekam er ganz viele Tipps: Mit welchen Verkehrsmitteln ist man im Nachbarland unterwegs? Was isst man da drüben?
Am Ende, nach sechs Stunden Seminarleitung mit einem Teilnehmer, hatte ich das Gefühl, dass noch ganz viel zu sagen wäre – und die Gewissheit, dass so ein Seminar mehr Aufwand ist, als es für die Teilnehmer scheint.