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Berichte auf Knopfdruck

Ein Mann arbeitet am Computer.
Vor allem kleinere Redaktionen können sich mithilfe von Textroboterprogrammen den Arbeitsalltag erleichtern und so ihren Lesern mehr Inhalt bieten.
Foto: Martin Rehm

Sportredakteur (automatisierte Texterstellung)

Berichte auf Knopfdruck

Der leidenschaftliche Fußballer Dennis Kormanjos hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der 30-Jährige arbeitet als Sportredakteur bei der Online-Plattform „FussiFreunde“ und freut sich darüber, dass er dank eines so genannten Textroboters auch Spielberichte für die Fans von ganz kleinen Amateurvereinen veröffentlichen kann.

Die Artikel über Fußballspiele aus Norddeutschland werden in den sozialen Netzwerken mit viel Freude geteilt und ich erlebe immer wieder, wie stolz gerade die kleinen Vereine sind, dass wir auch über sie berichten“, sagt Dennis Kormanjos. Seit zwei Jahren arbeitet er mit der Text-Engine, einem Gemeinschaftsprojekt von Retresco und Sportplatz Media, die anhand von Statistiken faktenbasierte Berichte erzeugt. „Das sind richtig gute Texte. Da merkt keiner, dass diese nicht von einem Redakteur geschrieben worden sind.“ Etwa 220 Berichte veröffentlicht seine Redaktion seitdem pro Woche, früher waren es nicht einmal 30.

Neue Arbeitsplätze dank Textroboter

Ein Porträt-Foto von Dennis Kormanjos

Dennis Kormanjos

Foto: Mathias Merk / Christian Küch

Als das System in seiner Redaktion implementiert wurde, machten sich der 30-Jährige und seine Kollegen keine Gedanken darüber, ob sie zukünftig ersetzt werden könnten. „Durch die Textengine sind bei uns sogar neue Arbeitsplätze entstanden. Denn je mehr Berichte wir veröffentlichen können, desto attraktiver ist unsere Plattform für User und Werber. Für uns bedeutet dies mehr Geld, um mehr Leute zu den wichtigen Spielen zu schicken, die dann vor Ort berichten.“

In seinem Arbeitsalltag hat sich seit der Implementierung des Textroboters nichts verändert, sagt Dennis Kormanjos. Die Statistiken hätten sie auch schon vorher in ein System eingepflegt. „Statt langweiliger Tabellen bieten wir nun informative Texte, die gerne gelesen werden“, sagt er.

Textfutter fürs System

Die Einführung des Systems war allerdings aufwendig: „Unsere Chefs hatten sich dazu entschieden, den Hersteller bei der Entwicklung zu unterstützen“, erinnert sich der Sportredakteur. Er und seine Kollegen mussten also helfen, das System mit vielen Standardformulierungen zu füttern. „Wir haben uns intensiv Gedanken darüber gemacht, wie wir Berichte schreiben, welche Satzkonstruktionen wir häufig verwenden und wie sich ein Sachverhalt auf viele unterschiedliche Arten ausdrücken lässt.“

Seine Redaktion war eine der ersten in Deutschland, die mit automatisierten Texten arbeitet. „Auch für rein sachliche Wetterberichte, Finanznachrichten oder Veranstaltungshinweise eignet sich das System. Nicht ersetzen kann es Hochemotionales. So eine Maschine kann keine packenden Texte erzeugen, die mitreißen, zum Beispiel bei kritischen Spielsituationen, wenn die Nerven blank liegen“, betont Dennis Kormanjos.

Keine neuen Fähigkeiten notwendig

Zusätzliches Technikwissen braucht der Sportredakteur nicht. „Ich drücke auf ein Knöpfchen, fertig. Am Anfang haben wir noch mal kurz drüber gelesen. Aber wir haben schnell gemerkt, dass die Texte echt gut sind. Eine Kontrolle ist nicht notwendig. Es sei denn, man will diese noch mit zusätzlichen Informationen oder Zitaten füttern“, erzählt er.

Auf seinen Redakteursjob vorbereitet haben den 30-Jährigen mehrere Praktika nach der Fachhochschulreife und ein zweijähriges Volontariat. „Ich hatte das große Glück, in eine Nische reinzurutschen, die im Kommen ist: die Berichterstattung über den Hobbyfußball.“ Es sei nämlich alles andere als einfach, Sportredakteur zu werden. „Viele haben den Wunsch, es gibt aber nur wenige Stellen.“

Hobbyliga als Leidenschaft

Wie andere Jungs auch, hat Dennis Kormanjos schon in jungen Jahren jede freie Minute genutzt, um zu kicken, und davon geträumt, selbst Profifußballer zu werden. „Auch wegen einer Verletzung ist der Traum zerplatzt. Ich wollte aber trotzdem so viel Zeit wie möglich auf dem Fußballplatz verbringen.“

Als Sportredakteur kann und muss er das. Jedes Wochenende, Samstag und Sonntag, von morgens bis abends ist er in den Hamburger Ligen unterwegs. „Das ist genau mein Ding. Ich muss nicht unbedingt über die Bundesliga berichten. Ich finde es stattdessen super, ungefiltert mit den Spielern reden zu können. Man kennt sich, man schätzt sich. Der persönliche Kontakt ist immens wichtig, um das Live-Feeling rüberzubringen“, sagt er. „Und das wird auch so bleiben, ob mit oder ohne Textroboter.“

abi>> 09.01.2018

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