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Gestaltung zum Leben erwecken

Detailaufnahme vom Zeichnen einer Figur mit Feder
Illustrationen, Layouts und Fotoideen skizziert Lena Stadler am liebsten von Hand.
Foto: Helge Gerischer

Kommunikationsdesignerin

Gestaltung zum Leben erwecken

Seit sie ihrer Festanstellung in einer Kreativagentur den Rücken gekehrt hat, arbeitet Lena Stadler als selbstständige Kommunikationsdesignerin in Leipzig. Jetzt genießt die 32-Jährige die Vielfalt ihrer Aufgaben und freut sich über die Freiheit, all ihre Kompetenzen vereinen zu können: Design, Illustration und Fotografie.

Ich fange meist mit einem schwarzen Stift zu zeichnen an. Aus dem schwarzen Strich erwächst nach und nach eine wilde, lebendige Kreation“, sagt Lena Stadler. Seit Anfang des Jahres ist die 32-Jährige selbstständige Kommunikationsdesignerin und präsentiert ihre Arbeit unter dem Namen blacktowild.com. Nicht nur Illustrationen, sondern auch Layouts und Fotoideen skizziert sie am liebsten mit der Hand. Besonders freut sie sich über Aufträge, bei denen sie all ihre Kompetenzen einbringen kann. „Kürzlich habe ich einen Pantomimen und Zauberer mit meiner gestalterischen Arbeit in die Selbstständigkeit begleitet. Ich habe für ihn ein wundersames Logo illustriert, Porträts fotografiert und einen Flyer gestaltet. Dieser Schaffensprozess war voller Phantasie und harmonischer Zusammenarbeit, mit echter Offenheit für kreative Ansätze. Dabei ist ein anregender Austausch entstanden“, schwärmt sie.

Das ist nicht immer so. Oft kommen Kunden bereits mit sehr klaren Vorstellungen auf sie zu. „In meiner Arbeit geht es nie darum, dass ich mich als Person oder als Künstlerin verwirkliche – dafür habe ich meine freien Projekte. Ich muss die Herausforderungen lösen, mit denen meine Kunden zu mir kommen. Im Kommunikationsdesign geht es immer darum, dass bestimmte Zielgruppen angesprochen werden“, erklärt sie. Für Lena Stadler ist dies kein Problem, im Gegenteil: „Mir liegt es einfach nicht, mich selbst tagtäglich zu eigenen Projekten zu motivieren, um davon leben zu können. Viel lieber ist es mir, wenn ich mich mit konkreten Problemstellungen konfrontiert werde, die zu lösen sind. Das spornt mich an.“

Schwerpunkt Printmedien, aber auch Digitales

Ein Porträt-Foto von Lena Stadler

Lena Stadler

Foto: privat

Lena Stadlers Schwerpunkt liegt auf Printmedien. Webgestaltung bietet sie aber auch an. „Wenn man Kunden ganzheitlich betreuen möchte, kann man das nicht außer Acht lassen“, sagt sie und erzählt, dass die Gestaltung digitaler Oberflächen Bestandteil eines Kommunikationsdesign-Studiums ist. Sie selbst hat ihren Bachelor an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle gemacht und sich im anschließenden Masterstudium auf Fotografie spezialisiert.

Gerade eben hat sie leuchtende Flyer und Plakate gestaltet, die frisch und fröhlich ein studentisches Ehrenamt bewerben. „Meine Aufträge bekomme ich fast alle über Empfehlungen. Kunden treten direkt an mich heran oder sie werden über meine Website auf mich aufmerksam“, erklärt sie. „Für den Start in eine Selbstständigkeit läuft es sehr gut. Ich bin gut gebucht. Trotzdem bange ich regelmäßig, wenn ein Projekt zu Ende geht und ich nicht weiß, was als nächstes kommt. Diese Unsicherheit gehört wohl dazu, sie ist mir allerdings noch fremd – daran muss ich mich erst gewöhnen“, merkt sie an. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie bisher trotzdem nicht bereut.

„Man muss sich wappnen“

Mehrere Jahre war die Kommunikationsdesignerin nach ihrem Studium in Berliner Kreativagenturen angestellt. „Das hat mich aber nicht glücklich gemacht. Ich bin nicht der Typ, der jeden Tag von 9 bis 18 Uhr oder noch länger am Computer sitzen kann. Deshalb habe ich schon lange mit dem Gedanken gespielt, mich selbstständig zu machen. Mir hat anfangs nur der Mut gefehlt“, erinnert sie sich. Gerade das Risiko eines Fehlschlags habe sie davon abgehalten. „Als kreativer Mensch verkauft man ja keine Gegenstände, sondern sich irgendwie ein Stück weit selbst. Einen Fehlschlag könnte man auch als persönliches Versagen verstehen, davor haben mich einige gewarnt. Dagegen muss man sich wappnen.“

Für Lena Stadlers Gang in die Selbstständigkeit waren vor allem die berufspraktischen Erfahrungen wichtig, sagt sie. „Die Agenturen waren ein sehr gutes Lernumfeld. Ich habe dort mein gestalterisches Handwerk verfeinert und mehr Branchentauglichkeit, Schnelligkeit und Sicherheit erlangt. Ich habe auch gelernt, besser mit Kritik umzugehen, die manchmal nicht sehr konstruktiv ist“, betont sie.

Kreativität allein reicht nicht

Lena Stadler empfiehlt jedem, einen Existenzgründerkurs zu machen und sich ein Netzwerk mit Leuten aufzubauen, die auch unternehmerisch beraten können. Zudem hat es ihr geholfen, sich in Fachmedien über Preisgestaltung und Anforderungen zu informieren. „Am Anfang kann man meist noch nicht den Stundensatz verlangen, den erfahrene Freiberufler ansetzen und man muss die regionalen Besonderheiten berücksichtigen. Hier in Leipzig kann und muss ich nicht so viel verlangen wie in München. Für mich ist erst mal wichtig, dass ich davon leben kann.“

Aus ihrer Zeit in Berlin weiß sie, dass das auch schwierig sein kann. „Dort gibt es immer mehr Designer, also viel Konkurrenz. Diese Konkurrenz wirkt sich auch auf die Löhne und Preise aus. Aber ich rate dringend davon ab, sich ganz unter Wert zu verkaufen. Kompromisse sind zu Beginn wohl oft gefragt, doch auch mit jenen sollte man sich wohlfühlen“, merkt sie an. Sie hält neben Kreativität vor allem Mut, Selbstbewusstsein, Offenheit und Kommunikationsfreude für wichtige Fähigkeiten, um freiberuflich über die Runden zu kommen.

In einem unternehmerischen Netzwerk wachsen

Besser werden, ihren Horizont erweitern, das möchte Lena Stadler. Sie hat sich aber noch weitere Ziele gesetzt. „Mein erstes Etappenziel habe ich schon erreicht. Seit September arbeite ich in einem Atelier, in dem ich mich sehr wohlfühle. Dort bin ich im kreativen Austausch mit einem Textildrucker. Hier und auch außerhalb davon wächst mein Netzwerk und daran möchte ich weiter spinnen. Langfristig kann ich mir vorstellen, dass es so gelingen kann, eine eigene kleine kreative Stätte aufzubauen – ob als Geschäft mit Atelierraum oder gar eine Agentur. Das könnte ich mir gut vorstellen.“

abi>> 19.12.2018

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