Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Auf Spurensuche in alten Minen

Eine Lademaschine transportiert Gestein zum Förderband.
In Deutschland gibt es unzählige stillgelegte und nicht mehr benötigte Stollen und Schächte. Markscheider wie Martin Isaac kümmern sich um deren Sicherung, damit zum Beispiel die Oberfläche gefahrlos bebaut werden kann.
Foto: Jörg Moritz

Ingenieur - Markscheidewesen

Auf Spurensuche in alten Minen

Mit 27 Jahren ist Martin Isaac derzeit der jüngste Markscheider in Deutschland. Bei der Bergbehörde Nordrhein-Westfalen ist er unter anderem dafür zuständig, stillgelegte Bergbauten zu sichern.

Auf den ersten Blick ist meist nichts zu sehen. Unter der Erdoberfläche verstecken sich aber in vielen Regionen Deutschlands Bergwerke mit unzähligen Kilometern an Stollen und Schächten. Nur so können Rohstoffe wie Steinkohle oder Erze gewonnen werden. Was aber, wenn der Abbau beendet ist? Zurück bleiben zahlreiche Hohlräume, um die sich Fachleute kümmern müssen – einer von ihnen ist Martin Isaac.

Der 27-Jährige ist studierter Markscheider und als Dezernent bei der Bergbehörde Nordrhein-Westfalen in Dortmund tätig, die als Abteilung 6 „Bergbau und Energie in NRW“ Teil der Bezirksregierung Arnsberg ist. „Das Markscheidewesen ist eine Ingenieurdisziplin im Bergbau mit ganz unterschiedlichen Facetten“, erklärt Martin Isaac. Markscheider können beispielsweise bei Genehmigungsverfahren von Bergbauprojekten, der Vermessung von Hohlräumen, dem Monitoring von Bodenbewegungen an der darüber liegenden Oberfläche oder im Geodatenmanagement tätig sein.

Stillgelegte Anlagen sichern, Gelände nutzbar machen

Ein Porträt-Foto von Martin Isaac

Martin Isaac

Foto: Aliki Nassoufis

Martin Isaacs Arbeitsbereich ist der Altbergbau. „In Nordrhein-Westfalen gibt es nach aktuellem Stand 30.000 alte Stollen, Schächte und Bohrungen“, sagt er. „Hinzu kommen rund 600 Quadratkilometer tages- beziehungsweise oberflächennaher Bergbau – also Grubenbaue, die weniger als 100 Meter unter der Erdoberfläche liegen.“

Der 27-Jährige und seine Kollegen erfassen die Verbreitung des Altbergbaus und überprüfen, ob Sicherungsbedarf besteht. Sind etwa die horizontalen Eingänge der Bergwerke versperrt? Wurden die Schächte nach dem Ende des Abbaus mit Betonplatten abgedeckt oder mit Baustoff verfüllt? „Im Rahmen des Risikomanagements werden die Hinterlassenschaften des Bergbaus Schritt für Schritt gesichert und somit eine Gefährdung an der Erdoberfläche durch Senkungen oder Einstürze kontinuierlich verringert“, erläutert er.

Die Sicherung der Schächte und Hohlräume unter Tage ist wichtig, damit die Erdoberfläche darüber bebaut werden kann. „Wir haben in Nordrhein-Westfalen eine hohe Bevölkerungsdichte“, sagt Martin Isaac. „Wir können nicht einfach alle Areale absperren, die von Einwirkungen durch Altbergbau betroffen sein können. Stattdessen müssen diese Bereiche für eine Bebauung durch Häuser und Infrastruktur nutzbar gemacht werden.“ Außerdem erarbeiten die Fachleute Stellungnahmen für Kommunen und Behörden sowie Auskünfte für Grundstückseigentümer zur bergbaulichen Situation.

Test und Schülercamp festigen die Studienwahl

Dass dies einmal sein Traumberuf sein würde, ahnte Martin Isaac als Jugendlicher noch nicht. Dann nutzte er als Schüler bei der Bundesagentur für Arbeit das „Selbsterkundungstool“, woraufhin ihm der damals neue Studiengang Rohstoffingenieurwesen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen vorgestellt wurde. „Ich habe zunächst am Science Camp der Fachgruppe Rohstoffe und Entsorgungstechnik teilgenommen, das die RWTH für Oberstufenschülerinnen und -schüler anbietet. Dabei merkte ich, dass mich der Bergbau fasziniert.“

Deshalb nahm er 2008 sein Bachelorstudium in Rohstoffingenieurwesen auf und belegte Fächer wie Elektrotechnik, Chemie, Geologie, Mechanik und Recht. Schon währenddessen entschied er sich, sein Wissen im Bereich des Markscheidewesens vertiefen zu wollen – und absolvierte anschließend einen Master auf diesem Fachgebiet.

Traumberuf gefunden

Von 2014 bis 2016 absolvierte Martin Isaac das Referendariat im Markscheidefach bei der Bergbehörde NRW, um Beamter im höheren bergtechnischen Dienst zu werden. Mit 27 Jahren ist er derzeit Deutschlands jüngster Markscheider.

„Ich finde, dass der Altbergbau ein sehr faszinierendes Arbeitsgebiet ist“, sagt er. „Es ist unglaublich, was die Menschen im Bergbau hier in Nordrhein-Westfalen Jahrhunderte vor uns geleistet haben und mit welchen teilweise einfachen Werkzeugen sie Kohle und Erze abgebaut haben. Das macht mich ehrfürchtig.“

Deswegen möchte er noch lange in diesem Bereich arbeiten. „Ich fühle mich hier mit dem tollen Team und den abwechslungsreichen Aufgaben sehr wohl“, sagt er. „Außerdem merke ich, dass ich die im Studium gelegten Grundlagen nun durch Erfahrungen aus dem Berufsalltag weiter vertiefen und ausbauen kann.“

abi>> 16.05.2017