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In den Seilen

Karsten Müller bei seiner Arbeit als Industriekletterer
Hoch hinaus: Karsten Müller (31) konnte mit seiner Ausbildung zum Industriekletterer seine Leidenschaft zum Beruf machen.
Foto: privat

Industriekletterer

In den Seilen

Karsten Müller (31) hängt im Schnitt einmal im Monat in den Seilen – aus rein beruflichen Gründen: Er ist Bauingenieur und passionierter Kletterer. Als Bauwerksprüfer und ausgebildeter Industriekletterer arbeitet er im Münchner Ingenieurbüro ilp2. Für abi>> berichtet er, wie er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat.

Der Moment, in dem ich über das Brückengeländer steige und mich in das Seil reinlege, löst nach wie vor ein Bauchkribbeln aus. Aber dann setzt sehr schnell die Routine ein. Solche Klettereinsätze kommen in meinem Berufsalltag im Schnitt einmal im Monat vor. Ich arbeite für das Ingenieurbüro ilp² in München, die sehr vielfältige Planungsleistungen im Bereich Verkehrsinfrastrukturbau erbringen. Meine Aufgaben liegen vor allem in der Bauwerksprüfung. Ich klettere immer dann, wenn Hebebühnen, Kräne oder sonstige technischen Hilfsmittel wirtschaftlich oder technisch gesehen eine schlechtere Alternative sind.

Als Bauingenieur kontrolliere ich unter anderem Brücken und Brückenpfeiler, arbeite aber auch horizontal, etwa um Betondecken in U-Bahnstationen unter die Lupe zu nehmen. Die höchste Brücke, von der ich mich bisher abgeseilt habe, war 40 Meter hoch. Höhenangst darf man selbstredend keine haben, wenn man sich von Brücken abseilt. Natürlich muss man auch körperlich fit, belastbar und schwindelfrei sein. Aber man sollte hier keine naiven Vorstellungen haben – von wegen bei 25 Grad Sonnenschein eine Runde klettern gehen. Bauwerksprüfungen werden auch bei Regen, Kälte und Wind durchgeführt.

Eine Frage der Technik

Ein Foto von Karten Müller

Karsten Müller

Foto: privat

Aber viel wichtiger als der sportliche Aspekt ist die Beherrschung der richtigen Techniken. Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) umfasst unter anderem einen Auffanggurt, an denen wiederum Schlaufen befestigt sind für weitere Geräte. Schließlich müssen wir in luftiger Höhe zum Beispiel auch mit einer Bohrmaschine sicher hantieren können. Ich spreche von „wir“, weil man niemals alleine klettert, sondern immer mit einem weiteren erfahrenen, ausgebildeten Industriekletterer an der Seite – so will es die Vorschrift.

Um als Industriekletterer zu arbeiten, habe ich einen Lehrgang mit steigenden Schwierigkeitsgraden absolviert. In einem fünftägigen Kurs geht es zunächst um das Klettern in der Vertikalen, um Sicherungs- und Rettungstechniken, Knotenkunde und Physik sowie gesetzliche Bestimmungen. In Stufe Zwei kamen horizontale Techniken hinzu sowie die entsprechenden Rettungstechniken und Baustellenabsicherung. Nach zwölf Monaten muss man an einer Wiederholungsunterweisung teilnehmen. Es gibt noch eine dritte Stufe, in der man zum „Aufsichtführenden Höhenarbeiter“ ausgebildet wird. So eine Fachkraft muss bei jedem Einsatz vor Ort sein. Ich habe meine Ausbildung beim Unternehmen Heidenberger Industrieklettern in der Nähe von Passau absolviert. Mein Ausbilder ist auch derjenige, der bei Einsätzen als „Aufsichtführender Höhenarbeiter“ dabei ist.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Das Klettern habe ich als Student für mich entdeckt. Ich habe an der OTH Regensburg Bauingenieurwesen studiert und war regelmäßig in meiner Freizeit klettern. Nach meinem Studium habe ich gezielt nach einer Stelle gesucht, in der ich meine Erfahrungen aus dem Klettersport einbringen kann. Mir gefällt der Mix aus Büroarbeit und Aufgaben, die wir draußen am Bauwerk erledigen müssen. Vor allem das Klettern macht mir wahnsinnig viel Spaß und gibt der Arbeit noch einmal einen besonderen Kick.

abi>> 14.05.2019