Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Landwirtschaft auf dem Stadtdach

Ein Schäfer blickt auf seine Herde.
Lässt sich ländliche Idylle auch in die Großstadt bringen? Projekte, wie die des Rooftop-Gärtners tragen dazu bei!
Foto: Hans-Martin Issler

Beauftragter für Ökologie, Umweltbildung, Soziales

Landwirtschaft auf dem Stadtdach

Nikolas Fricke (35) entwickelt und betreut Nachhaltigkeitskonzepte im Münchner Werksviertel Mitte, wo ein kreatives Stadtquartier zum Wohnen und Arbeiten entsteht: von Schafen auf dem Dach über Begrünung von Hauswänden bis hin zum smarten Abholservice von Paketen.

300 Meter vom Münchner Ostbahnhof entfernt, befindet sich auf einem begrünten Dach im Werksviertel Mitte eine 2.500 Quadratmeter große Wiese sowie Hochbeete mit Blumen und Wildkräutern. Schafe und Hühner laufen umher, Bienen fliegen in ihrem Stock ein und aus, eine Ameisenstraße führt entlang des Geländers im Treppenhaus.

Betreut wird das Projekt von Nikolas Fricke, Beauftragter für Ökologie, Umweltbildung und Soziales für das gesamte Werksviertel Mitte. Seine Aufgabe ist es, Nachhaltigkeitskonzepte für das gesamte Areal zu entwickeln. Dazu gehören etwa Überlegungen, wie man Wasser auffängt und speichert, wie und wo Fassaden begrünt werden können, um Gebäude zu kühlen, wie Transportwege für den Lieferverkehr oder eine intelligente Müllentsorgung aussehen könnten. Digitale Konzepte werden ebenso umgesetzt: So ist etwa eine Abgabestation für Pakete in Planung, die über eine App organisiert werden wird.

Stadt und Natur in Einklang bringen

Ein Porträt-Foto von Nikolas Fricke

Nikolas Fricke

Foto: privat

Die Schafe auf dem Dach sind ein Baustein in dem Ganzen: „Dass hier überhaupt Schafe auf einer Wiese grasen können, ist möglich, weil das Dach so umgebaut wurde, dass dort Regenwasser versickern kann.“ Die Schafe betreiben hier die Rasenpflege und da die Walliser Schwarznasenschafe vom Aussterben bedroht sind, ist es zugleich eine Erhaltungszucht. Das Dach-Projekt ist offiziell als landwirtschaftlicher Betrieb eingetragen.

Nikolas Fricke züchtet selbst am Starnberger See Walliser Schwarznasenschafe. Als er auf der Suche nach einem Job war, ist er auf das Projekt im Werksviertel aufmerksam geworden. Studiert hat er Agrarwissenschaften an der Technischen Uni München, wo er auch seinen Master in Sustainable Resource Management abgelegt hat. Promoviert hat der 35-Jährige an der Universität Eichstätt-Ingolstadt in Sozialgeographie. Im Werksviertel ist er unter den Architekten und Bauingenieuren, mit denen er zusammenarbeitet, zwar ein Exot, aber aufgrund seiner Erfahrungen und des Fachwissens prädestiniert für seine Aufgaben: Als Beauftragter für Ökologie, Umweltbildung und Soziales muss er sich in Themen einarbeiten, viel organisieren, sich mit anderen austauschen und Konzepte umsetzen können.

Verantwortung übernehmen und vermitteln

Mensch-Natur-Konflikte waren für Nikolas Fricke schon immer Thema: „Ich konnte als Kind und Jugendlicher viel Zeit in Afrika verbringen, wo ich unter anderem eine Nicht-Regierungsorganisation gegründet und Studierenden Naturreservate gezeigt habe.“ Verantwortung für die Natur zu vermitteln, ist ihm auch in seiner Arbeit in Bayerns Landeshauptstadt nach wie vor ein Anliegen. Seit diesem Sommer gibt es für Kinder und Jugendliche Workshops auf dem Dach, in denen sie handfeste Aufgaben und Verantwortung für die Tiere übernehmen, zum Beispiel Wolle spinnen, Bienen und Ameisen beobachten, Obst und Gemüse anpflanzen: „Die Kinder und Jugendlichen lernen dadurch etwas über natürliche Kreisläufe“, erklärt er. Für ihn ist es das Wichtigste, inhaltlich so zu arbeiten, dass er dafür einstehen kann.

abi>> 30.10.2018