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Ein Herz für Island

Frau sitzt auf einem Sofa und bedient ein Tablet.
Als Bloggerin kann man von überall arbeiten. So macht es auch Linda Menke (33) in Island.
Foto: Martin Rehm

Arbeiten in Island

Ein Herz für Island

Zwischen Linda Menke (33) und ihrer heutigen Heimat war es Liebe auf den ersten Blick. Heute lebt und arbeitet die gebürtige Hannoveranerin als Reise- und Lifestyle-Bloggerin im Südwesten Islands.

Sechs Jahre ist es her, dass die ausgebildete Veranstaltungskauffrau die Insel zum ersten Mal als Urlauberin betrat – seitdem kam sie immer wieder. 2015 schließlich beschloss sie, mit ihrer besten Freundin einen ganzen Sommer dort zu verbringen – und blieb bis heute.

Inzwischen hat Linda Menke eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Von einem kleinen Örtchen in Südwestisland aus, rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Reykjavík entfernt, betreibt sie zusammen mit ihrer Freundin den Reise- und Lifestyle-Blog „Dear Heima“. Außerdem arbeitet sie als freie Texterin und Fotografin für deutsche Online-Portale und Firmenkunden und hat kürzlich einen Reiseführer über Island veröffentlicht. „Dank Skype ist es auch von Island aus ganz einfach, Interviews zu führen oder mit Auftraggebern zu kommunizieren“, sagt sie.

Schon in Deutschland war Linda Menke fünf Jahre lang als Bloggerin tätig. Für ihr eigenes Online-Magazin hatte sie sogar ihre Stelle als Veranstaltungskauffrau aufgegeben.

Ein Gewerbe in Island gründen

Ein Porträt-Foto von Linda Menke

Linda Menke

Foto: privat

Für ihren Blog mussten Linda Menke und ihre Mitstreiterin ein Gewerbe gründen. Das ist in Island relativ einfach. Anlaufstelle für Gründer ist das Directorate of Internal Revenue (RSK), das isländische Finanzamt. Für die Anmeldung benötigt man eine Personenkennziffer, die sogenannte „Kennitala“, die man beim zentralen Melderegister erhält, und eine Umsatzsteuer-ID. In den meisten Fällen dauert es drei bis sieben Tage, bis grünes Licht erteilt wird. Jeglicher Verdienst ist zu versteuern, wobei ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland besteht, sodass nur in Island Steuern gezahlt werden müssen.

Auch um die Altersvorsorge müssen sich Selbstständige von Beginn an kümmern. In Island bestehen zwei sich ergänzende Rentensysteme: das sogenannte Volksrentensystem, das eine Mindestrente garantiert und dem ausnahmslos alle in Island wohnenden Personen angehören, sowie das Zusatzrentensystem, das für alle erwerbstätigen Personen gilt und in das auch Selbstständige verpflichtet sind einzuzahlen.

Entspanntes Volk, freundlicher Umgang

„Die Isländer sind ein sehr entspanntes Volk und pflegen auch auf der Arbeit einen freundlichen Umgang miteinander“, erzählt Linda Menke. „Gestresst wird hier selten. Eine Arbeit, die in Deutschland in ein paar Stunden erledigt ist, dauert hier auch gern mal ein paar Tage“; ist ihre Erfahrung.

Auch die Bürokratie sei nicht vergleichbar mit Deutschland: „Es gibt – wenn überhaupt – nur kurze Wartezeiten, kaum Formulare. Das ist mir besonders aufgefallen, als ich mich um die ‚Kennitala‘ bewarb“, sagt die 33-Jährige. Diese Personenkennziffer braucht auch, wer nach Island einwandern möchte. Dafür muss man nachweisen, dass man seinen Lebensunterhalt durch Arbeit, Erspartes oder eine Rente bestreiten kann.

Die schwerste Sprache der Welt

Man bekommt die Nummer sogar ganz ohne Isländisch-Kenntnisse, bestätigt Linda Menke. Die seien auch nicht unbedingt nötig: „Hier spricht nahezu jeder Englisch, vom Kleinkind bis zum Senior, vom Hauptstadtbewohner bis ins kleinste Nest am Fjord. In den meisten großen Firmen arbeiten so viele Ausländer, dass die Sprache im Büro auf Englisch umgestellt wurde, selbst in den Restaurants sind viele der Servicekräfte fit darin.“

Die 33-Jährige selbst spricht bisher kaum Isländisch, denn die Sprache sei wahnsinnig kompliziert zu lernen. Nicht umsonst zählt sie in jeder verfügbaren Statistik zu den schwersten der Welt. Dennoch will sich die Deutsche der Herausforderung bald stellen und einen Sprachkurs belegen – schließlich will sie noch eine Weile bleiben.

Hier geht's zum Steckbrief von Island >>

abi>> 08.08.2018