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Arztberuf als Spiegel der Gesellschaft

Überprüfung der Funktion des Spec-Gerätes mit Hilfe eines Phantoms
Interesse an Menschen, Aufgeschlossenheit und Resilienz spielen eine wichtige Rolle im Arztberuf.
Foto: Nancy Heusel

Humanmediziner – Interview

Arztberuf als Spiegel der Gesellschaft

Was muss man für den Arztberuf mitbringen? Und wie wird sich dieser in Zukunft entwickeln? abi>> sprach mit Dr. med. Andreas Botzlar. Der Mediziner ist zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes.

abi>> Herr Dr. Botzlar, welche persönlichen Voraussetzungen sind für den Arztberuf entscheidend?

Andreas Botzlar: Aufgrund der Verschiedenheit der ärztlichen Fachgruppen bestehen jeweils ganz unterschiedliche Anforderungen. Generell ist es wichtig, naturwissenschaftliches Verständnis sowie vor allem ein gewisses Maß an Empathie und Interesse am Menschen als Ganzes mitzubringen. Dazu kommt Aufgeschlossenheit für gesellschaftliche Entwicklungen. Eine große Rolle spielen überdies Resilienzfaktoren, denn ein Drittel der Medizinstudierenden berichtet bereits zum Physikum über Überlastungssymptome. Umso wichtiger ist es, frühzeitig persönliche Strategien zum Umgang mit dem hohen Leistungsdruck zu entwickeln.

abi>> Welche Weichenstellungen während der Ausbildung sind für den Berufseinstieg relevant?

Ein Porträt-Foto von Dr. Andreas Botzlar

Dr. Andreas Botzlar

Foto: Marburger Bund

Andreas Botzlar: Insgesamt dauern Medizinstudium und Weiterbildung zum Facharzt rund zwölf Jahre. Daher ist es schwierig, von der heutigen Situation auf zukünftige Karriereaussichten zu schließen. Um später beruflich erfolgreich zu sein, empfiehlt es sich, eine Fachrichtung zu wählen, die den eigenen Vorlieben entspricht – statt sich allein am aktuellen Bedarf zu orientieren. Dabei kann es vielleicht eine Rolle spielen, ob man sich später niederlassen möchte, was für einen Allgemeinarzt beispielsweise einfacher ist als für einen Neurochirurgen.

abi>> Was ist für eine erfolgreiche Karriere als Arzt ausschlaggebend?

Andreas Botzlar: Neben Engagement und fachlichem Können sind es eine Vielzahl wenig selbstbestimmbarer Einflüsse. Entscheidend ist daher erneut das persönliche Interesse: Nur was jemand gerne macht, macht er auch gut und erfolgreich.

abi>> Welche Entwicklungen beeinflussen heute und künftig die ärztliche Tätigkeit?

Andreas Botzlar: Zum einen zeichnet sich ein Spezialisierungstrend ab, der auch von den Patienten eingefordert wird. Zum anderen verändert sich gerade die Rolle nichtärztlicher Heilberufe, was sich auf die künftige Aufgabenteilung in der Patientenversorgung auswirken kann. Das Trendwort Telemedizin (Anm. d. Red.: etwa Patientengespräche via Videochat) betrifft absehbar einen eher kleinen Teil der Ärzteschaft. Viel mehr verändern neue wissenschaftlich-technische Erkenntnisse die ärztliche Arbeit. Sie können neuartige Diagnose- und Therapiemöglichkeiten eröffnen und so Tätigkeitschwerpunkte verschieben. Auch mit dem Faktor Wirtschaftlichkeit werden Ärzte bei ihrer Arbeit konfrontiert. Im Sinne einer guten Medizin ist es für die Ärzteschaft elementar, hier eine entschiedene ethische Haltung zu vertreten und die ärztliche Unabhängigkeit zu betonen.

abi>> 10.06.2019